Mein Alpenverein

Login zu »Mein Alpenverein«


Ich habe bereits einen Zugang:

Zugang freischalten


(nur für Mitglieder der Alpenvereinssektionen München & Oberland)

Was ist »Mein Alpenverein«

»Mein Alpenverein« kostenlos freischalten

Ich bin Mitglied der Alpenvereinssektionen München & Oberland und möchte meinen Zugang zu »Mein Alpenverein« jetzt kostenlos freischalten.

Pflichtfelder sind mit einem Sternchen* markiert.

 

Nach der Freischaltung erhältst du eine E-Mail an deine E-Mail-Adresse. Bitte klicke den dort enthaltenen Link an, um die Freischaltung zu bestätigen. Mit der Freischaltung stehen dir die Möglichkeiten von »Mein Alpenverein« vollumfänglich zur Verfügung.

»Mein Alpenverein« bietet dir als Mitglied der Alpenvereinssektionen München & Oberland den perfekten Online-Service. Du kannst nach der Freischaltung zukünftig fast alle unserer Leistungen online buchen, ohne aufwendig alle persönlichen Daten in Web-Formulare eingeben zu müssen. Dies ist nicht nur bequem, sondern erhöht auch die Datensicherheit enorm.

Bitte gib deine Mitgliedsnummer oder deinen Benutzernamen ein und klicke auf „Absenden“. Wir schicken dir umgehend einen Link an deine bei uns hinterlegte E-Mail-Adresse. Mit Klick auf diesen Link kannst du dein Passwort zurücksetzen.


Weiter ohne Login für:

Plus-Mitglieder ohne »Mein Alpenverein« Mitglieder anderer Sektionen Nichtmitglieder

Achtung:
Diese Veranstaltung kann von Nichtmitgliedern nicht gebucht werden.
Jetzt Mitglied werden?

Weiter ohne Login für:

Plus-Mitglieder ohne »Mein Alpenverein« Mitglieder anderer Sektionen Nichtmitglieder

Achtung:
Diese Hütte kann von Nichtmitgliedern nicht gebucht werden.
Jetzt Mitglied werden?

Achtung:
Diese Hütte kann von Mitgliedern anderer Sektionen und Nichtmitgliedern nicht gebucht werden.
Jetzt Mitglied werden?

Als Mitglied der Alpenvereinssektionen München & Oberland kannst du deine Beiträge und Nachrichten einfach und jederzeit über das Mitgliederportal »Mein Alpenverein« verwalten.
Jetzt Mitglied werden?

Erfahrungsbericht

Freie Nacht fürs Klima

Öffentlich zur Oberlandhütte

Seit 01. Januar 2022 ist die Oberlandhütte in den Kitzbüheler Alpen Teil der Aktion „Mach’s einfach: freie Nacht fürs Klima“. Das bedeutet: Alpenvereinsmitglieder, die ab ihrem Wohnort zu 90 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, übernachten umsonst auf der Hütte. Bisher haben 24 Mitglieder teilgenommen - Wolfgang Müller ist einer von ihnen. Ein Erfahrungsbericht.

Es war in vieler Hinsicht eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Eigentlich bin ich, was Bergtouren betrifft, der typische Autofahrer – es ist einfach so bequem. Ich überlege auf welchen Berg ich möchte, packe meinen immer vorbereiteten Rucksack der Tour entsprechend um und fahre los. Den morgendlichen Stau umgehe ich, leider nicht immer, durch zeitiges Losfahren, den abendlichen Stau zurück verdränge ich einfach.

Mit dem Radl ins Bergell: auf Buhls Spuren

Wenn da nur nicht mein schlechtes Gewissen wäre, mein in der Jugend gezeigtes Engagement für die Umwelt ist noch nicht völlig verlorengegangen. Immerhin habe ich in meiner Frühzeit bei der Sektion die sogenannten grünen Seiten ins Programm geboxt. Bei meinem ersten Tourenführertreffen in Haunleiten hatte ich die Klappe aufgerissen und gefragt, warum wir keine ökologisch korrekten, den Begriff „klimafreundlich“ gab es damals noch nicht, Touren anbieten. Und prompt sagte der Hasholzner Sepp, mein Vorgänger als Wintertourenreferent: „Nicht fragen – machen! Dann mach halt!“. Die Alten kannten das nämlich noch: mit dem Bus und der Bahn ins Gebirge. Ja, und so habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn „Öko-Touren“ entworfen - Anreise mit der Bahn, dem Bus und dem Fahrrad, auch in Kombination als Tripple B  also „Bahn-Bike-Beine“.


Ich bin sogar mal mit einem Freund, auf „Hermann Buhls Spuren“ mit dem Fahrrad von München ins Bergell zum Klettern geradelt, inklusive der kompletten Eisausrüstung. Doch im Laufe der Jahre hat sich die Bequemlichkeit durchgesetzt: die Autos wurden größer und neuer, die Gefahr mit irgendeiner Schrottkarre liegen zu bleiben war nicht mehr vorhanden. Die Anreise erfolgte praktisch nur noch mit dem Auto.

Vorbilder? Unsere Kinder

Das wollte ich dieses Mal endlich ändern. Unsere Kinder haben aus ökologischen Gründen weder Auto noch Führerschein, die Vorbildrolle hat sich von den Eltern auf die Kinder umgedreht – Fridays for Future lässt grüßen.

Ich fahre also mit dem Zug in die Berge, aber wohin? Mein „erstes Mal“ soll nicht so stressig sein – weder mit dem Gepäck noch mit der Anfahrt. So fällt die Wahl auf die Oberlandhütte. Sie ist gut zu erreichen und liegt im Tal, ich kann also zusätzlich eine Tasche mitnehmen und muss nicht alles in den Rucksack packen. Auch die Ski bleiben im Keller, ich nehme die Schneeschuhe, da muss ich weder die Ski noch die Skitourenschuhe schleppen.


Die Planung ist bei weitem einfacher als gedacht: Ich gehe ins Internet und habe auf der Seite der Deutschen Bahn ganz schnell die passenden Verbindungen gefunden. Damit ich alles dabei habe, lade ich mir noch die „Meine Bahn“ App aufs Handy und das war’s praktisch auch schon. Komplizierte Planung ist also schon mal keine Ausrede. Abfahrt ab Eching um 06:47 Uhr, also nicht früher als mit dem Auto, und dreimal Umsteigen:  am Hauptbahnhof, in Kufstein und in Kirchberg. Die Umsteigezeiten sind ausreichend, aber nicht zu lang – ich werde also nicht ewig am Bahnsteig rumstehen. Allerdings habe ich zehn Minuten Fußmarsch in Kirchberg, denn der Bus nach Aschau fährt (für mich völlig unverständlich) auf seinem Weg von Kitzbühel kommend nicht über den Bahnhof. Von der Endstation in Aschau sind es noch fünf Minuten zur Hütte. Ankunft: 10:40 Uhr. Da geht sich noch eine kurze Tour aus wie zum Beispiel der Schwarzkogel.

Für die Rückfahrt wähle ich die letzte Abfahrtsmöglichkeit in Aschau um 17:50 Uhr. Beim Bus um 17:00 Uhr erscheint mir die Umsteigezeit mit dem Fußweg von der Bushaltestelle in Kirchberg zum Bahnhof ein wenig kurz. Ich möchte den Zug auf keinen Fall verpassen, egal was passiert. Meine mangelnde Erfahrung oder auch selbige mit der Münchener S-Bahn, mahnt mich zur Vorsicht. Die gewonnene Zeit werde ich am Dienstag einfach in Höhenmeter umsetzen.

Die Route von München zur Oberlandhütte ist nicht kompliziert

Freie Nacht fürs Klima: öffentlich anreisen, gratis übernachten

Jetzt fehlt noch die Buchung auf der Oberland-Hütte, natürlich auch online – ich gehe ja mit der Zeit. Aber was sehe ich auf der Webseite? „Freie Nacht fürs Klima“, eine Aktion des DAV, um die Anreise mit den Öffis zu unterstützen! Wer zu mindestens 90 Prozent öffentlich zur Hütte fährt und dies beim Hüttenwirt mit der Fahrkarte nachweist, bekommt eine Nacht im Mehrbettzimmer oder matratzenlager gratis. Das ist eine super Aktion und ich hoffe, es kommen bald weitere Hütten hinzu. Nicht wegen des Geldes, das ist nicht der Punkt, aber es ist eine kleine Anerkennung für den bewussten Weg, aufs Auto zu verzichten. Ich bin begeistert.

Sonntag früh: Es geht los. Ich alter Dackel bin voll aufgeregt, wie in meiner Jugend, als wir mit den Fahrrädern zu den ersten Mehrtagestouren aufbrachen. Was erwartet mich, wird alles glatt gehen, oder strande ich schon am Hauptbahnhof, weil die S-Bahn die leider übliche Verspätung hat, oder auf freier Strecke eine „Pause“ einlegt? Bekomme ich einen Platz im Zug? Ich habe die günstigste Variante gewählt, 37,80 € für die Hin- und Rückfahrt, ohne Bahn Card. Dafür habe ich aber keine Sitzplätze reserviert. Wird schon klappen. Es ist das Wochenende der Streif in Kitzbühel. Heuer ohne Zuschauer, bzw. nur für die „I’ll be back“-s und die „Schau mer mal“-s, also die Hautevolee.

Es klappt alles! Die Fahrt zur Oberlandhütte ist voll easy und entspannt. Ich kann im Zug frühstücken, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen und ich kann lesen – endlich  mal wieder entspannt lesen. Zwischendurch schaue ich aus dem Zugfenster. Die allzu bekannte Landschaft entlang der üblichen Autobahn wird ersetzt durch neue Eindrücke.

Die Bushaltestelle in Kirchberg finde ich auch und als ich das eigentlich notwendige Busticket nach Aschau lösen will, sagt der Fahrer passt scho. Eine gute halbe Stunde später bin ich in der Hütte. Ich bekomme für mich allein ein Zweibettzimmer, obwohl ich extra sage, dass die Aktion nur für Mehrbettzimmer gilt. Aber ich bin der Allererste, der die Aktion nutzt, obwohl diese schon ein paar Tage läuft. Der Hüttenwirt weiß selbst noch nicht genau, wie es organisatorisch läuft und ich betrachte es einfach als Belohnung. Das heißt schlafen ohne Schnarchen! Mein eventuelles Schnarchen höre ich ja nicht und wie alle Männer schnarche ich selbstverständlich auch nicht. Obwohl dies der Beweis unserer Multitasking-Fähigkeit ist – Männer können gleichzeitig schnarchen und schlafen. Apropos Hüttenwirt: der Hüttenwirt ist ausgesprochen nett und allein das würde schon einen Besuch auf der Oberlandhütte rechtfertigen, von den zahlreichen Tourenmöglichkeiten ganz abgesehen.



Die erste Tour: rauf auf den Schwarzkogel

Viel Zeit habe ich aber nicht. Ich will noch auf den Schwarzkogel (2030 m). Also ab zum Beginn der Tour und die Schneeschuhe an die Füße. Das Wetter ist so lala, Sonne und Nebel im Wechsel, hauptsächlich Nebel. Die letzten Tage hat es fast einen Meter Schnee gegeben und ich bin gespannt, was mich erwartet. Werde ich die ganze Tour spuren müssen? Ich will ja keine Skispur kaputttreten. Aber diese Frage erübrigt sich. Es ist kaum zu glauben wie schnell sich die Hänge des Schwarzkogels in eine Skitourenpiste verwandelt haben. Der Meter Schnee ist bereits zur Buckelpiste mutiert und einfach zu gehen. Egal, die Tour ist schön und ich habe den Tag genutzt. Um 16:00 Uhr bin ich wieder zurück.

Die zweite Tour: wildes Terrain in Richtung Spießnägel

Montag: wolkenloser Himmel. Meine Wahl fällt auf die Spießnägel (1881 m), eine typische Schneeschuhtour. Wenn es die Verhältnisse zulassen, möchte ich den Kamm nach Süden bis zum Schöntaljoch gehen und von dort in den unteren Grund absteigen. Schon beim Hochweg fluche ich lautlos. Auf ca. 1400 Metern Höhe versperrt ein Windbruch den Weiterweg. Die Kraxelei über die umgefallenen Bäume gestaltet sich ziemlich rustikal. Zwischen den kreuz und quer liegenden Bäumen sind tiefe, schneeüberdeckte Löcher und ich habe keine Lust mir die Füße zu brechen. Außer mir ist niemand unterwegs. Die Splitboardgruppe ist Richtung Floch und Tagestouristen gehen vermutlich alle auf den Schwarzkogel oder das Brechhorn. Bergsteiger sind einfach Individualisten. Soll ich umkehren? Das Wort „Umkehren“ hat noch nie zu meinem Grundwortschatz gehört und so quäle ich mich hindurch und dann einfach (nein, eben nicht einfach) durch den Wald nach oben, irgendwann komme ich ja wieder auf den Weg. Und so ist es auch, kurz vor der Hirzeggalm habe ich wieder den Almweg unter meinen Füßen. Der Schnee wird jetzt tief, richtig tief und unberührt, dem Windbruch sei Dank, oder auch Undank. Ich bereue es, keine Ski dabei zu haben, denn ich sinke trotz der Schneeschuhe sehr weit ein und schwitze wie ein Tier mit Steckdosennase und Ringelschwanz. Warum hat hier keiner gespurt? Wo waren die konditionsstarken Jungbergsteiger? Egal, ich spure, dann ist es ganz allein meine Tour. Den Übergang zum Schöntaljoch spare ich mir, der Windbruch und der tiefe Schnee haben meinen Zeitplan pulverisiert und schließlich habe ich Halbpension und will keine Mahlzeit verpassen. Und, wie sagt mein Freund Walter immer so schön: „Der Berg ist kein Frosch, der hupft ned weg!“. Ich hebe mir den Übergang eben für eine spätere Tour auf. Also den gleichen Weg zurück, eine Spur ist jetzt ja da, und den Windbruch großräumig durch den steilen Wald umgehen – gut, dass ich keine Ski dabei habe.




Kaiserwetter am Stangenjoch

Dienstag: mein letzter Tag. Wieder ist Kaiserwetter - „Majestät brauchen Sonne“. Da ich erst um 17:50 Uhr mit dem letzten Bus zurückfahre, werde ich den Tag ausnutzen und durch den oberen Grund auf das Stangenjoch gehen. Ich hoffe, dass ich hier trotz des strahlend blauen Himmels allein unterwegs sein werde. Die Hütte hat sich nämlich gestern, ob des guten Wetters, ganz schnell mit kurzfristigen Buchungen gefüllt und es werden noch zahlreiche Tagestouristen dazukommen. Meine Überlegung ist, dass sich Skitourengeher den Hatsch im oberen Grund sparen. Das würde ich mir nämlich mit Skiern auch nicht antun und vermutlich wie alle anderen auf einen der zahlreichen überlaufenen Modeberge von Aschau gehen. Aber nein, ich würde zumindest den Tanzkogel oder das Gamsbeil machen, ich möchte ja allein unterwegs sein.

Bis zur Kloo-Niederalm ist der Weg mit dem Ratrac platt gefahren und entsprechend hart. Ich trage die Schneeschuhe am Rucksack, sie sind nicht nötig und es geht deutlich schneller ohne. Ich bin keiner von denen „jetzt habe ich die Schneeschuhe dabei, dann werden sie auch verwendet“-Personen. Anders als häufig in den bayerischen Vorbergen sind die Schneeschuhe in den Kitzbühelern aber nötig. Ab der Kloo-Niederalm hört die Ratracspur auf und der Schnee wird zu tief, um zu Fuß zu gehen – Forststraße hin oder her. Beim gleichmäßigen Gehen sinniere ich über die Situation der Hüttenwirt*innen nach und habe Verständnis dafür, dass inzwischen häufig Stornogebühren verlangt werden. Am Wochenende war das Wetter schlecht und es hagelte kurzfristige Absagen, am Montagabend war die Hütte schlagartig fast zu voll. Ich kann mir den resultierenden Organisationsaufwand gut vorstellen. Von der Gefahr, das vorbereitetes Essen verdirbt und weggeworfen werden muss, ganz zu schweigen. Die Anreise mit dem Auto spielt auch hier eine Rolle. Eine Anfahrt mit der Bahn ist in aller Regel gut geplant und ein gekauftes Ticket storniert man nicht sofort.

Vielleicht liegt es an meinem Alter, aber ich bilde mir ein, wir sind früher auf die Hütten gegangen, egal wie das Wetter war. Wie war doch gleich noch mal der Spruch? „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“. Wir sagten immer „…, nur schlechte Bergsteiger.“ Das war unsere jugendlich Arroganz, des „wir können alles“. Und zugegebenermaßen war der Wetterbericht auch nicht so genau wie heute, aus einer „geplanten“ Schlechtwettertour konnte schnell mal ein Sonnenbrand resultieren.

Im weiteren Verlauf frage ich mich, ob die Idee so gut war. Das Tal entpuppt sich als Schattenloch und zieht sich. Es heißt vermutlich nur deshalb „oberer Grund“, weil der Name „langer Grund“ bei Kelchsau bereits vergeben ist. An der Rettensteinalm mache ich Pause und kann mir mit einer an die Hüttenbank gesteckten Maurerkelle (Vielen Dank, an wen auch immer!) den Schnee von den Brettern kratzen. Richtig bequem ist es aber nicht, die Füße sind zu weit oben, es liegt einfach viel Schnee. Ich breche also bald wieder auf. Ab jetzt wird es traumhaft: War bis zur Alm noch eine alte Schneeschuhspur erkennbar, so ist jetzt endlich spuren angesagt. Allerdings hat sich der Schnee im schattigen Tal noch kaum gesetzt und ist, wie schon gestern, für Schneeschuhe, oder für mein Gewicht, eigentlich zu tief. Aber ich habe es schon immer gemocht, die erste Spur in den Schnee zu legen, egal ob mit Ski oder mit Schneeschuhen. Das Bergsteigen ist so irgendwie anders, direkter und anstrengender – viel anstrengender. In Gedanken gehe ich meine Zeitplanung durch, stelle aber beruhigt fest, dass ich noch Luft habe. Ich möchte in die Sonne, ich möchte mein geplantes Ziel erreichen. „Der Weg ist das Ziel“ ist zwar ein toller Spruch, der Weg endet im Idealfall aber am gesetzten Ziel.

Hinein in die stille Bergwelt

Ja und dann ist es so weit, es kommt der eine, der entscheidende Schritt über die Schattenlinie hinweg. Der Kopf überquert diese Grenze schon ein wenig früher als die Füße – gut, dass ich so groß bin. Der stumpfe, schattige Schnee wird ersetzt durch die in der Sonne glitzernden Kristalle, der unberührten weißen Fläche vor mir, keine Menschenseele weit und breit, Stille die sich so schön genießen lässt, der Lärmverschmutzung weit entflohen. Kann es schöneres Bergsteigen geben? Ich möchte, dass es gar nicht endet, aber was möchte ich nicht alles. Obwohl es noch etwas dauert, bin ich gefühlt viel zu schnell an meinem Ziel. Ich nehme mir Zeit, bevor ich Fotos mache. Das Jetzt, das Sehen mit den Augen, nicht das mit der Kamera, ist das einzig wahre Sehen. Ich will mir nicht zu Hause anschauen, wo ich war, ich möchte es jetzt genießen – da hindert die Kamera, also das Smartphone nur .

Irgendwann ist es dann aber doch soweit, ich muss los: der Bus wartet und ein alkoholfreies Bier auf der Hütte, bevor ich abfahre, wäre auch nicht schlecht – für mich. Und eine Dusche auch nicht – vor allem für meine Mitfahrer im Zug. Ich erinnere mich kurz an eine Abfahrt in der Seilbahn, ab der Mittelstation der Aiguille di Midi, nach einer Mont-Blanc-Überschreitung von Süd nach Nord und einem Notbiwak aufgrund eines Wettersturzes. Wir waren für die zahlreichen Japaner*innen in der überfüllten Kabine, die uns fotografierten, sicher Wesen aus einer anderen Welt – stinkende Wesen aus einer anderen Welt. Ich muss schmunzeln.


Wintertouren Oberlandhütte

Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Inhalte von Drittanbietern in den Cookie-Einstellungen deaktiviert sind. Inhalte von Drittanbietern anzeigen?
Ich bin damit einverstanden, dass Inhalte von Drittanbietern (Google Maps, YouTube, meteoblue, Calaméo und Elfsight) angezeigt werden und dass diese Anbieter ggf. Cookies einsetzen, um das Funktionieren ihrer Inhalte zu gewährleisten bzw. zu optimieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Nach einem Traumtag mit den Öffis zurück

Der Rückweg ist genauso einsam wie der Hinweg. Ich freue mich über die schöne Tour, wann ist man schon mal den ganzen Tag unterwegs und trifft keine Menschenseele. Dusche und Bier klappen auch super und um 17:40 Uhr mache ich mich auf zum Bus. Der steht schon an der Haltestelle und pünktlich um 17:50 Uhr geht es los. Ich bin der einzige Fahrgast und der Bus fährt mich direkt zum Bahnhof. Ich spare mir dadurch den sonst nötigen kurzen Fußmarsch. Allerdings warte ich die eingesparte Zeit jetzt länger in der Kälte am Bahnsteig. Ich hatte den letzten Bus gewählt, da mir beim vorletzten Bus die Zeit für das Umsteigen zu kurz erschien und ich den Anschlusszug bei einer etwaigen Verspätung nicht verpassen wollte. Mir fehlen noch Erfahrungen bei einer Anreise mit den Öffis, das tief sitzende „S-Bahn-Trauma“ erwähnte ich schon.

Ich bin mir in der Kälte nun nicht mehr sicher, was besser war: ein Alkoholfreies und die Dusche oder die kürzere Wartezeit der anderen Verbindung? Der Bahnhof Kirchberg hat leider keine Bänke in dem, was sich hier Aufenthaltsraum nennt, und auch keine Toilette. Ich sitze also am Bahnsteig im Freien. Bis der Zug kommt bin ich ausgekühlt. Doch glücklicherweise ist dieser super pünktlich, ich habe wiederum ausreichend Platz und bis Kufstein ist mir wieder warm. Ab jetzt läuft alles perfekt. Der Zug ab Kufstein hält nicht in jedem Nest, sondern nur in Rosenheim und am Ostbahnhof steige ich in die S-Bahn, die sich ein Beispiel nimmt und pünktlich ist. Kann das alles wahr sein? Muss ich mich zwicken? Um kurz nach 21:00 Uhr bin ich zu Hause und genieße die Wärme des Kachelofens. Meiner lieben Frau, der besten Frau der Welt, sei Dank.

Mein Fazit

Es war eine tolle Erfahrung, mit der Bahn in die Berge zu fahren. Ich wäre mit dem Auto nicht wirklich schneller gewesen und die Hin- und Rückfahrt haben reibungslos geklappt. Analog einer Rundtour im Vergleich zu „hoch und wieder runter“ ist diese Art in die Berge zu gehen interessanter. Die Tour, ich möchte hier gerne das Wort Reise verwenden, beginnt zu Hause und endet zu Hause – nicht am Parkplatz vor Ort. Klar, die Planung erfordert etwas mehr Aufwand und man ist aufgrund der festen Fahrpläne zeitlich stärker gebunden. Aber auch hier sehe ich das Gute: Man ist gezwungen sich mit der oder den Touren frühzeitig auseinanderzusetzen, dies kommt auch der viel beschworenen Planung daheim zugute und erhöht gegebenenfalls sogar die Sicherheit.

Ich werde zukünftig häufiger mit den Öffis in die Berge fahren und kann es nur jedem empfehlen!