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Bergsportausrüstung enthält wertvolle Rohstoffe und ist teuer. Wie gut kann sie wiederverwertet werden? Über die Grenzen des Recyclings
Text: Alexandra Schweikart; Titelbild: iStock.com/Bart_ J, Samohin/LuisPortugal/artas/FreshSplash/iBennn/nathamag11
Der Materialkeller liegt im Halbdunkel. Es riecht nach Staub, alten Kletterschuhen und kaltem Stein. Seile liegen übereinander, neben mehreren Paar Kletterschuhen, deren Sohlen vom vielen Klettern deutlich abgenutzt sind. Alte Bandschlingen und neue Expressen bilden ein chaotisches Sammelsurium, während ein paar ausgemusterte Karabiner Handschuhe an der Wand halten. Jacken und Skihosen hängen griffb ereit für den nächsten Neuschnee.
In jedem Bergsport-Haushalt schlummert ein solcher Schatz an alter Ausrüstung, in der wertvolle Rohstoffe stecken. Mal größer, mal kleiner. Und irgendwann stellt sich die Frage: Was passiert damit, wenn die Ausrüstung nur noch herumliegt oder schlicht keinen Platz mehr in den eigenen vier Wänden findet?
Die Lösung liegt im Kreis
„Take, Make, Dispose“ nennt man das alte Prinzip der Wegwerfindustrie. Nehmen, herstellen, wegwerfen. Vor allem Plastikmüll hat dieses Modell an seine Grenzen gebracht. Der WWF warnt: Wenn nichts passiert, könnte sich die weltweite Kunststoff produktion in den kommenden Jahrzehnten vervierfachen. Die Gegenidee ist einfach: ein Kreis. In der Kreislaufwirtschaft bleiben Produkte so lange wie möglich im System. Weniger neue Rohstoffe, weniger CO₂, weniger Müll. Klingt gut.
Kann man Bergsportartikel recyceln?
Doch funktioniert der Kreislauf auch bei Bergsportartikeln – bei Jacken, Seilen, Schuhen? Oft beginnt der Weg mit der Wiederverwendung. Ausrüstung wird weitergegeben, auf Secondhand-Märkten verkauft.
Firmen wie Vinted, Vaude, Globetrotter und Bergzeit bieten prall gefüllte Plattformen zum Kauf und Verkauf von Bergsportbekleidung. Oder sie landet im Altkleidercontainer, wo sie sortiert und teilweise erneut in Umlauf gebracht wird. Und dann bleiben die Dinge übrig, die niemand mehr tragen oder nutzen kann. Was passiert mit ihnen?
Ein erster Schritt heißt Re-Purpose: Umwidmung. Alte Seile werden zu Fußabstreifern, Stoffreste zu Lappen oder Isoliermaterial. Das braucht wenig Energie und hält Material wenigstens noch eine Runde im Spiel – für den Bergsport aus Sicherheitsgründen* oft die sinnvollste Lösung.
Persönliche Sicherheitsausrüstung (PSA) gehört unbrauchbar gemacht, bevor sie entsorgt wird. Sie darf nicht mehr funktionieren, und niemand soll sie für sichere Ausrüstung halten. Also: den Klettergurt zerschneiden, am Helm die Riemen heraustrennen. Bastelprojekte und neues Nutzen von Seilen – als Schaukel oder Ähnliches – sind gut. Entscheidend ist nur, dass klar bleibt: Diese Dinge taugen nicht mehr zum Klettern!
Aus getragenen Jeans wird neues Baumwoll-Garn wie an der ITA-Augsburg. Foto: Technische Hochschule Augsburg
Daneben gibt es das mechanische Recycling, vor allem bei Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle. Stoffe werden zerrissen, neu versponnen und zu Garn verarbeitet. Die Fasern sind dann kürzer, oft muss frisches Material beigemischt werden. Der Energieeinsatz ist gering, der Nutzen solide. In Augsburg am Institut für Textiltechnik wird an Sammel- und Sortierstrategien geforscht, um beispielsweise aus alten Jeans neue Garne herzustellen.
Aufwendiger wird es beim thermomechanischen Recycling. Kunststoffe wie Polyester werden geschreddert und eingeschmolzen, daraus entstehen neue Fasern oder Kunststoffteile. Das Problem: Bergsporttextilien sind selten sortenrein. Die Vielfalt an Farben, Beschichtungen und Materialmischungen macht den Prozess schwierig.
Bleibt das thermo-chemische Recycling. Kunststoffe wie Nylon werden bis auf ihre Grundbausteine zerlegt und neu aufgebaut. Selbst Seile oder Gurte lassen sich so verwerten. Doch der Preis dafür ist hoch: enorme Temperaturen von über 1000 Grad und ein hoher Energiebedarf. Für Nylon ist es dennoch oft der einzige Weg. Die Firma Aquafil in Arco wurde bekannt durch ihre Herstellung von Nylon-Garn aus alten Fischernetzen, mit dem Markennamen Econyl.
Aus PET-Flaschen werden über Flakes, Granulat und Garn Polyester-Shirts.
Reality-Check: Werden Textilien recycelt?
Ein Anruf beim lokalen Recyclingunternehmen bringt Klarheit: „Seile aus reinem Polyamid können Sie gern abgeben, Karabiner aus Aluminium auch – die werden dem passenden Recycling zugeführt.“ Klingt gut. Und Textilien? Eine kurze Warteschleife. Dann die Antwort: „Alttextilien werden entsorgt.“
Kurz gesagt: Textilrecycling scheitert häufig schon am Eingang. Viele Kleidungsstücke sind nicht dafür gemacht. Sie bestehen aus Mischungen verschiedenster Fasern, enthalten Elastan, Farben und diverse Chemikalien – und kommen meist ohne klare Infos darüber, was eigentlich alles drinsteckt. Bei Outdoorprodukten kommen Reißverschlüsse, Schnallen und Membranen hinzu. Recycling soll dann bitte zaubern. „Eine alte Klamotte aufzulösen, daraus einen Faden zu spinnen und etwas Neues zu machen, findet quasi überhaupt nicht statt“, sagt Dr. Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe.
„Aber Moment mal“, denken jetzt viele, „es gibt doch Kleidung aus recyceltem Polyester!“ Stimmt, gerade im Bergsport rühmen sich die meisten Ausrüster derzeit mit Jacken und Hosen aus „Recycling-Polyester“. Nur stammt dieser Polyester fast immer aus PET-Flaschen, nicht aus alten Textilien.
Der PET-Flaschenkreislauf funktioniert: In Deutschland werden 97 Prozent der Flaschen zurückgegeben. Entnimmt man Material daraus für etwas anderes (wie Bergsportprodukte), muss neues PET aus Erdöl produziert werden. Das Material kommt als T-Shirt nie wieder in den Flaschenkreislauf zurück. So schwächt man den funktionierenden Kreislauf, um das Textil als „recycelt“ labeln zu können.
Der PET-Flaschen Kreislauf. Wird ein Textil aus recycelten Flaschen hergestellt, kommt es nie wieder zurück in den Kreislauf und muss ersetzt werden.
Und was ist mit einem Recycling-Modell für Bekleidung, nach dem Vorbild der PET-Flaschen? Fehlanzeige. Denn: „Es gibt wenig Textilien, die nur aus einem Material bestehen“, erklärt Anne Burst, Textilingenieurin und Gründerin der „Kleiderei“ Klamottentauschbörse.
Die Zahlen zeigen das Dilemma: 2023 sank der Anteil recycelter Fasern weltweit leicht auf 7,7 Prozent bei insgesamt 124 Millionen Tonnen produzierter Fasern. Weniger als 1 Prozent stammte aus echten Textilabfällen, während die Produktion von neuem Polyester (sogenannte Virgin-Fasern) weiter anstieg.
Eine der größten automatisierten Textilsortieranlagen (Siptex in Malmö) wird seit Dezember 2025 zum Kauf angeboten, wegen „anhaltender Betriebsprobleme“. Ihnen fehlen die Absatzmärkte für sortierte Textilien, wichtige Abnehmer meldeten Insolvenz an. Der Fall zeigt grundlegende Schwächen im Garn-zu- Garn-Recycling: fehlende Nachfrage, unsichere Materialflüsse und unzureichende wirtschaftliche Anreize für Recyclingfasern.
Woran liegt das? „Der globale Fasermarkt ist extrem preissensitiv“, sagt Dr. Avinash Manian vom Textilforschungsinstitut der Universität Innsbruck. „Jeder Cent mehr pro Tonne ist ein Wettbewerbsnachteil. Recyceltes Garn ist schlicht teurer“, sagt Manian. „Wenn der Preis keine Rolle spielen würde, wäre vieles möglich.“
Eine Lebenszyklusanalyse (LCA) von Bekleidung untersucht, wie umweltbelastend ein Produkt über sein ganzes Leben hinweg ist – von der Rohstoffgewinnung bis zu Emissionen in Luft, Wasser und Boden –, und hilft so, die größten Umweltbaustellen klar zu erkennen. Quelle: United Nations Environment Programme (UNEP) 2020, „Sustainability and Circularity in the Textile Value Chain“
Wenn Recycling also vor allem am Preis scheitert, lohnt sich der Blick auf jene Stellschrauben, die sofort wirken – und direkt in unserer Hand liegen.
Wo sind die tief hängenden Früchte?
Eine Lebenszyklusanalyse zeigt: Das Lebensende von Kleidung spielt für den Klimafußabdruck nur eine Nebenrolle. Der größte Hebel liegt in der Nutzungsphase. Länger tragen, reparieren, weiterverwenden. Studien zeigen, dass eine doppelte Nutzungsdauer fast die Hälfte der Emissionen einsparen kann. Spannend auch: Immerhin 24 Prozent des Fußabdrucks entstehen in der Benutzungsphase – beim Waschen, Trocknen und Pflegen.
Die gute Nachricht: Wir müssen nicht auf Unternehmen oder neue Recyclinglösungen warten. Mit einfachen „zirkulären Handlungen“ lässt sich der Lebenszyklus von Kleidung verlängern, lange bevor Recycling nötig wird. Die Grundprinzipien für nachhaltigen Konsum:
Grauzonen und Greenwashing
Nachhaltigkeit ist in der Outdoorbranche längst kein Nischenthema mehr. Recycelte Materialien, grüne Siegel – alles wirkt, als sei die Lösung schon zum Greifen nah. Und genau hier beginnt das Problem. Greenwashing nennt man es, wenn Unternehmen umweltfreundlicher erscheinen wollen, als sie tatsächlich sind. Etwa wenn mit großen Zahlen geworben wird, ohne klar zu sagen, worauf sie sich beziehen. Wie bei der Milchpackung mit „71 Prozent weniger CO₂“, was sich bei genauerem Hinsehen nur auf den Karton bezieht – nicht auf die Milch. Keine Lüge, aber auch keine ganze Wahrheit.
Auch in der Bergsportindustrie gibt es solche Grauzonen. Recycling wird versprochen, Nachhaltigkeit beschworen, doch oft bleibt unklar, ob der ökologische Effekt wirklich positiv ist. Solange Profite erwirtschaftet werden, hat eine Firma keinen Anreiz, etwas zu verändern. Ein T-Shirt aus „recyceltem Polyester“ klingt gut – besteht aber meist aus PET-Flaschen und nicht aus alten Textilien.
Gleichzeitig wäre es falsch, alles über einen Kamm zu scheren. Die Outdoorbranche bewegt sich. Nicht perfekt, nicht schnell genug – aber sichtbar. Viele Unternehmen fangen dort an, wo sie können: bei Materialien, bei Reparatur, bei neuen Recyclingtechnologien. Kein großer Wurf, eher viele kleine Schritte. Und genau darum geht es. Man kann anfangen, ohne gleich die ganze Welt zu retten. Kreativ, pragmatisch, manchmal unvollständig (und mit Tendenz zum Greenwashing) – aber in die richtige Richtung.
Kletterseil Beal Sunrise 9.2Ein Kletterseil aus 100 Prozent recyceltem Polyamid-Garn. In einem chemischen Prozess wird die Kunststoff-Karkasse von alten Autoreifen zu einem hochwertigen Polyamid 6 umgewandelt, das die gleichen Eigenschaften wie solches aus Erdöl besitzt.
Bandschlinge Ocun O-Sling BIO-DYN 8 mm Die Ocun O-Sling BIO-DYN 8 mm nutzt biobasiertes Dyneema aus Nebenprodukten der Holz- und Zellstoffindustrie, bietet die gleiche extreme Stärke und Haltbarkeit wie konventionelles Dyneema.
Vaude Funktionskleidung Setzt auf thermo-chemisches Recycling von Altreifen (Pyrolyse), um daraus Polyamid für Bekleidung und Rucksäcke herzustellen, in Zusammenarbeit mit Pyrum und BASF.
Edelrid Helm ZODIAC 3R Ein Teil-recycelter Helm. Die Außenschale aus Polyamid besteht zu 100 Prozent aus recycelten Kletterseilen aus der Produktion. Die EPS-Innenschale ist ebenfalls vollrecycelt.
Deuter Infinity SerieVerwendet 100 Prozent funktionsfähige Überschüsse aus der Hauptproduktion. Shopper Bags, Badetaschen und Rolltops, Turnbeutel und Kinderrucksäcke werden so genäht. Außerdem gibt Deuter eine lebenslange Reparatur-Garantie auf seine Produkte.
Mountain Equipment Die Firma aus Eurasburg südlich von München nimmt Daunenprodukte (Bettwaren, Schlafsäcke, Daunenjacken) im Rahmen des Down Cycle kostenlos zurück und trennt die Daunenfüllung von den restlichen Textilien. So können sie gewaschen und wiederverwertet werden.
Als Bergsportlerin mit Hang zu hohen Wänden sammelt Alexandra Schweikart neben Gipfelmetern auch ausrangiertes Klettermaterial. Die ehemalige Textilforscherin sortiert Abfälle mit Akribie – und besitzt mehr alte Seile als Quadratmeter Garten.
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