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Warum gilt das Verhältnis von Wanderern und Bikern als angespannt – und wie lässt es sich verbessern? Nachgefragt bei Judith Sturm, Leiterin unserer Bike-Gruppe „Happy Trail Friends“
Interview: Thomas Ebert, Titelbild: Christian Pfanzelt
Warum ist man bei den Begriffen Respekt und Verhalten so schnell beim Thema Mountainbiker vs. Wanderer? Wird das Thema aufgeblasen oder bestätigt sich das in der Praxis?
Judith Sturm: Es gibt Regionen, in denen Mountainbiker wissen, sie werden hier Wanderern begegnen, weil es kein reiner MTB-Trail ist, und umgekehrt. Schwierig kann es werden, wenn keiner damit rechnet. Da ist es schon die Pflicht des Mountainbikers, Rücksicht zu nehmen. In touristisch sehr beanspruchten Regionen mit vielen Wanderern macht das Mountainbiken eh keinen Spaß, weil sich alle zehn Meter die Frage stellt, wer lässt wen vor. Ich stelle schon fest, dass auf als „Shared Trail“ ausgewiesenen Wegen die Wanderer besser darauf gefasst sind, da gibt es viel weniger Probleme.
Ist das der klassische Konflikt: Der Wanderer, der vor dem Mountainbiker erschrickt?
Ja, egal, ob von vorne oder von hinten. Wie gesagt, sind da die Mountainbiker in der Pflicht, nicht von hinten anzubrettern, zu schreien oder Vollbremsungen hinzulegen. Einige von uns, auch ich persönlich, nutzen die Trailbells. Damit wird man gehört, so gibt es schon mal keinen Schreckmoment. Und Geschwindigkeit ist natürlich immer ein Thema. Auf anspruchsvolleren Trails halten wir als Gruppe öfters an, inspizieren Passagen, warten auf alle. Da kommt man oft mit Wanderern ins Gespräch, die dann interessiert gucken, wie wir da so runterkommen – ein ganz angenehmes, offenes Verhalten miteinander. Weil wir in moderatem Tempo an solche Stellen herangehen. Sobald man brettert, wird man als Rowdy wahrgenommen.
In einer der letzten Ausgaben des bike-Magazins gab es einen Artikel mit dem Titel „Halt’s Maul“, der eine aus dem Ruder gelaufene Begegnung von Bikern und Wanderern schildert. Hast du solche Feindseligkeiten auch schon erlebt?
Persönlich hatte ich das jetzt noch nicht, dass man wirklich aneinandergerät. Was solche Sachen aber begünstigt, sind Graubereiche – ist Biken erlaubt oder nicht? Man kann dann das Gespräch suchen, aber ich finde, das ist so ein bisschen wie im Alltag auch: Es gibt Charakterköpfe, bei denen du auch mit Argumenten und gutem Reden nicht weit kommst. Ich versuche einfach, keine Angriffsfläche zu bieten, und schaue, dass ein Miteinander am Berg entsteht, damit nicht noch mehr verboten wird.
Wie finde ich heraus, wo ich im Gebirge biken darf?
Im deutschsprachigen Raum unterscheiden sich die Regelungen je nach Land. In Deutschland ist Mountainbiken auf den meisten Wegen grundsätzlich erlaubt, sofern keine Verbote bestehen. In Südtirol und vielen Regionen Italiens gibt es ebenfalls ein dichtes Netz legal befahrbarer Strecken, allerdings sind nicht automatisch alle Wege freigegeben. In Österreich darf man dagegen grundsätzlich nur auf ausdrücklich freigegebenen und beschilderten Mountainbike-Routen fahren. Ich empfehle aber grundsätzlich, dass man sich vor der Tour gut informiert. Offizielle Tourismus-Websites oder regionale Trailportale zeigen in der Regel schnell, welche Strecken legal befahrbar sind.
↑ Judith Sturm ist Leiterin der Gruppe „Happy Trail Friends“ – die zu 99 Prozent aus „Bio-Bikern“ besteht. Foto: privat
In eurem Selbstverständnis steht der Satz: „Wir sehen unsere Interessen aber auch als gleichberechtigt mit denen all der anderen Naturnutzer an.“ Seid ihr es manchmal leid, dass sich immer die Mountainbiker rechtfertigen müssen?
Eigentlich nicht. Es gibt schwarze Schafe, und ich kann verstehen, dass da manche allergisch darauf reagieren. Mich als Wanderer würde es auch stören, wenn jemand mit Karacho runterkommt und sich nicht bemerkbar macht. Das Wandern ist einfach schon ewig da, das Mountainbiken ist noch am Zunehmen, wird populärer. Es ist immer noch ein Entwicklungsprozess. Je mehr offizielle Trails es gibt – und die machen viele Regionen, weil sie darin ein Sommergeschäft sehen –, desto eher werden sich solche Konflikte hoffentlich auflösen. Wie die ganze E-Bike-Entwicklung dabei reinspielt, ist nochmal eine andere Frage.
Inwiefern?
Wir sind in der Gruppe zu 99 Prozent Bio-Biker und stellen fest, dass wir von Wanderern inzwischen auch viel Lob und Zuspruch bekommen, weil wir ohne Akku hochstrampeln.
Teilst du den Eindruck, dass mit dem Boom des E-Bikes alte, eigentlich befriedete Konfliktlinien wieder neu aufbrechen?
Ja, das glaube ich schon. Es nimmt einfach überhand. Es ist ja schön, dass sie vielen Leuten die Berge zugänglicher machen, aber ich finde es in manchen Fällen auch unverantwortlich. Nur weil man mit dem E-Bike einen Berg hochkommt, heißt es nicht, dass man auch sicher runterkommt, und das wird einfach unterschätzt. Und mit dem E-Bike ist auch ein gewisses Anspruchsdenken einhergegangen, etwa was Ladestationen auf Hütten angeht. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten, und da muss man schauen, wie man das wieder gut vereint bekommt.
Klingt so, als wäre zwischen den Bio-Bikern und den E-Bikern auch nicht alles ganz grün?
Da muss man schon differenzieren. Wer technisch gut mit seinem E-Bike umgehen kann und damit seinen Tourenradius erweitert – alles fein. Es geht eher um die Fälle, wo man schon auf breiten Forstwegen – von Trails will ich gar nicht sprechen – sieht, dass das ein Mismatch ist. Erstaunlich viele wissen nicht, wie man ein schweres E-Bike dosiert zum Stehen bekommt. Da ist das E-Bike teilweise wirklich eine Gefahr für die Person selbst, und für andere.
Besteht die Chance, dass ein wachsender Bikesport auch für mehr Gewöhnungseffekte auf Wandererseite sorgt? In der Schweiz oder in Südtirol funktioniert es ja nicht so schlecht.
Das ist denkbar, aber mancherorts ist die Masse schlichtweg zu groß, das hat nichts mit Biker vs. Wanderer zu tun. Wir haben zu Saisonbeginn nochmal versucht, mit den Rädern und per Bahn an den Tegernsee zu fahren, und das werden wir leider nie mehr machen. Die Region ist zu voll, deine Chancen, dass du zurückkommst, sind minimal, weil du einfach nicht in den Zug passt. Auch wenn jeder von uns happy wäre, wenn es gehen würde.
Wie verhält sich eigentlich der perfekte Wanderer?
Aus meiner Sicht ebenso respektvoll, genau wie sie es von uns erwarten. Das wenigste Konfliktpotenzial hat es, wenn am Beginn eines Wegs sichtbar wird, dass hier eine gemeinsame Nutzung besteht. Das bringt schon sehr, sehr viel, weil zumindest die umsichtigen Wanderer dann eben auch mit Mountainbikern rechnen.
Was ist deine Prognose für die Isartrails? Wird das was?
Ich hoffe sehr, dass es klappt, denn die Alternative wäre ja eine Komplettsperrung. Die Pläne versprechen ja schon, dass es nicht nur eine bessere Forststraße im Wald wird, sondern Trailcharakter hat. Was im Würmtal umgesetzt worden ist, ist grandios: Die Ausschilderung ist top, die Trails machen Spaß – perfekt. Auf jeden Fall müssen wir von der ungeregelten Lage, wie sie jetzt ist, weg. Mit semioffiziell ist niemandem gedient.
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