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Würmtal: MTB-Community aktiv einbinden

Text: Sonja Schreiter, Fachreferentin Advocacy & Infrastructure, Deutscher Interessenverband Mountainbike e. V. (DIMB)

 

Die DIMB Würmtal Trails südlich von Gauting zeigen, wie ein attraktives und zeitgemäßes wohnortnahes MTB-Angebot im Einklang mit Natur und Gesellschaft gelingt. Das Erfolgsrezept basiert auf einem abgestimmten und bedarfsgerechten Wegeangebot, das unter der Leitung des Deutschen Interessenverbands Mountainbike e. V. (DIMB) in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb München, der Naturschutzbehörde und der lokalen MTB-Community realisiert wurde.

Durch die hohe Qualität und Vielfalt der offiziellen Strecken – vom einfachen Flowtrail für Einsteiger, Familien und Handbiker bis hin zum schwarzen Trail für ambitionierte Bikerinnen und Biker – wird eine effektive Lenkungswirkung erzielt. Im Gegenzug werden wild entstandene Wege zurückgebaut und gezielt renaturiert. Dadurch entsteht eine klassische Win-win-Situation: Naturschutzfachlich sensible Bereiche an den Hängen des Würmtals (FFH-Gebiet) sowie forstwirtschaftliche Belange werden wirksam geschützt, während Bikerinnen und Biker ein attraktives naturnahes Trailangebot zusätzlich nutzen können.

Win-win-Situation: Die neuen Trails im Würmtal sind attraktiv, wild gebaute Trails wurden renaturiert.

↑ Win-win-Situation: Die neuen Trails im Würmtal sind attraktiv, wild gebaute Trails wurden renaturiert. Foto: DIMB Würmtal


Eine zentrale Rolle spielt dabei der gegenseitige Respekt aller Nutzer. Das Würmtal ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Wanderer, Nordic Walker und Radfahrer. Die offiziellen Trails sorgen für eine Ent­flechtung von den viel genutzten Hauptwegen, um Kon­flikte gar nicht erst aufkommen zu lassen. Durch Erosionsmanagement und nachhaltigen Trailbau wird die Natur geschont. Das Projekt zeigt, dass sich die Freude an der Bewegung und der Schutz von Flora und Fauna nicht ausschließen. Begleitet wird das Projekt von einer Kommunikationskampagne und entsprechender Beschilderung. Sie sensibilisiert für eine naturverträgliche Verhaltensweise und ein respektvolles Miteinander aller Erholungssuchenden.

Das Projekt zeigt: Wenn die Mountainbike-Community aktiv eingebunden wird und alle Interessengruppen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, entsteht eine nachhaltige Lösung, die Gemeinschaft fördert und den Wald als gemeinsamen Erholungsraum für alle Beteiligten sichert.


Klein, aber fein: die Würmtrails südlich von München

Die DIMB Würmtal Trails bei Gauting im Landkreis Starnberg wurden nach einem knapp einjährigen Planungsund Genehmigungszeitraum und dreimonatiger Bauphase im Juni 2025 offiziell eröffnet. Das offizielle Streckennetz umfasst sechs spezielle MTB-Trails mit rund 3,5 Kilometern Gesamtlänge. Die Beschaffenheit reicht von schmalen, naturbelassenen Abschnitten über einen gebauten Flowtrail mit Wellen bis zu technisch schweren Linien mit Sprüngen. Zum Einzugsgebiet zählen primär die Region München und das Fünf-Seen-Land.

Infos: dimb.de/trails/dimb-wuermtal-trails


Freiburg: Eine Zauberformel gibt es nicht

Text: Lucas Landenberger, Geschäftsführer Mountainbike Freiburg e. V.

 

Der Mountainbike Freiburg e. V. hat seit 2011 insgesamt 16 Trails mit rund 27 km Länge in und um Freiburg geschaffen und ist mit rund 3000 Mitgliedern einer der größten Mountainbikevereine im deutschsprachigen Raum. Oft werden wir nach dem Freiburger Erfolgsrezept gefragt. Eine Zauberformel gibt es auch in Freiburg nicht. Im Austausch mit anderen Vereinen zeigt sich immer wieder: Die Herausforderungen sind überall ähnlich. Warum also sind Trails in Deutschland so ungleich verteilt und warum ist Freiburg immer noch eine Ausnahme und nicht die Regel?

Sicher helfen die topografischen und kulturellen Voraussetzungen. Mit dem Schwarzwald vor der Haustür bietet Freiburg seit Jahrzehnten beste Bedingungen fürs Mountainbiken und andere Natursportarten. So ist eine große Bike-Community entstanden und auch in Behörden und Ämtern arbeiten Menschen, die selbst in der Natur Sport treiben. Das kann Genehmigungsverfahren erleichtern – wenn auch längst nicht immer. Hinzu kommt, dass es rund um Freiburg große zusammenhängende Wald­flächen im Besitz von Kommunen und dem Land gibt. Auch das macht die Abstimmung deutlich einfacher, als wenn der Waldbesitz kleinteilig ist und mit vielen Eigentümern verhandelt werden muss.

Entscheidend für die Trailakzeptanz in Freiburg: Alle Beteiligten sind eingebunden und bemühen sich um eine gemeinsame Sprache.

↑ Entscheidend für die Trailakzeptanz in Freiburg: Alle Beteiligten sind eingebunden und bemühen sich um eine gemeinsame Sprache. Foto: Florian Breitenberger


Entscheidend sind aber drei andere Punkte. Erstens die Organisation innerhalb der Bike-Community: Behörden und Waldbesitzer wollen verlässliche Ansprechpartner. Deshalb müssen sich Mountainbiker organisieren, gemeinsame Ziele entwickeln und unterschiedliche Interessen zusammenbringen. Auch im Mountainbike Freiburg e. V. wird seit jeher intensiv diskutiert. Gerade das hat aber dazu beigetragen, Kompromisse zu finden und mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten. Zweitens: alle Beteiligten einbeziehen. Erfolgreiche Trailprojekte entstehen nur gemeinsam mit Waldbesitzern, Förstern, Naturschutz, Jägern und Erholungssuchenden. Oft ist dabei die größte Herausforderung, überhaupt eine gemeinsame Sprache zu finden. Offene Kommunikation auf Augenhöhe hilft, Vorbehalte abzubauen und Vertrauen zu schaffen. Und drittens: Eine gute Planung sorgt dafür, dass Trails ökologisch, rechtlich und langfristig tragfähig sind und mit vertretbarem Aufwand unterhalten werden können. Es lohnt sich also, in eine gute Planung zu investieren und Fachleute hinzuzuziehen. In Freiburg haben wir dabei oft Unterstützung durch das örtliche Forstamt erfahren, aber auch viel Know-how innerhalb des Vereins aufgebaut.

Läuft in Freiburg deshalb alles reibungslos? Natürlich nicht. Auch wir befinden uns in einem ständigen Lernprozess. Und am besten lernt man bekanntlich aus Fehlern. Der wichtigste Rat, den man aus Freiburg also lernen kann: einfach machen!


Das leuchtende Beispiel: MTB-Trails rund um Freiburg

Die Trails werden vom Mountainbike Freiburg e. V. in überwiegend ehrenamtlicher Arbeit gebaut und unterhalten. Alle Vereins- Trails sind öffentlich zugänglich, der erste Trail „Borderline“ wurde 2011 legalisiert. Heute umfasst das Trailangebot rund 27 km, dazu gehören zwölf angelegte MTB-Strecken, vier Shared Trails und ein Dirtpark. Die Freiburger Trails bestehen zum Großteil aus handgebauten „Enduro-Trails“ im mittleren Schwierigkeitsbereich (rot). Auf mehreren Trails gibt es Jumplines, teils maschinengebaut. Ergänzt wird das Trailangebot durch einige einfachere Strecken und Shared Trails (blau).

Infos: mountainbike-freiburg.com



Graubünden: Gute Sensibilisierung beginnt lange vor dem Trail.

Text: Kevin Suhr, Projektleiter ALLEGRA Trails GmbH, externe Gesamtprojektleitung Fairtrail Graubünden

 

Ein offzieller Trail allein zieht niemanden an. Ein Angebot wird erst erfolgreich, wenn es attraktiv ist, leicht gefunden wird und nachvollziehbar zeigt, wo man fahren darf – und wo nicht. Angebotskommunikation und Sensibilisierung sind deshalb untrennbar miteinander verbunden. Menschen entscheiden selten rein rational, beim Einkaufen ebensowenig wie auf dem Biketrail. Lenkung funktioniert deshalb nicht allein durch offzielle Angebote. Sie entsteht durch eine Haltung, mit der sich Menschen identifizieren.

Sensibilisierung muss deshalb früh beginnen. Wer erst an der kritischen Abzweigung kommuniziert, kommt zu spät. Dort bleibt nur noch die schnelle Entscheidung: links oder rechts, erlaubt oder nicht. Die Grundeinstellung wurde längst vorher geprägt – durch Bilder, Geschichten, Vorbilder und die Community.

Wie wirkungsvolle Sensibilisierung funktioniert, zeigt Fairtrail Graubünden. Reichweitenstarke Kampagnen, glaubwürdige Botschafter und Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven schaffen die Grundlage. MTB-Ikone Nino Schurter schafft Aufmerksamkeit. Reportagen und Perspektivwechsel zeigen die Bedürfnisse von Tieren, Landwirtschaft und anderen Wegnutzenden. Kodex, Signalisation und Trailrules übersetzen diese Haltung in konkretes Verhalten. Die Fairdinands suchen vor Ort das Gespräch, hören zu und nehmen Rückmeldungen auf. So verstärken sich die Maßnahmen gegenseitig.

Entscheidend für die Trailakzeptanz in Freiburg: Alle Beteiligten sind eingebunden und bemühen sich um eine gemeinsame Sprache.

↑ Brücken bauen: In Graubünden sensibilisiert seit 2019 die groß angelegte „Fairtrail“-Kampagne für eine gute Koexistenz von Wanderern und Bikern. Foto: Filip Zuan


Fairtrail zeigt, dass dieser Ansatz Wirkung entfaltet. In der Gästebefragung 2025 sagten 81 Prozent, die Kampagne motiviere zu fairem Verhalten. 74 Prozent fanden, das respektvolle Miteinander funktioniere bereits sehr gut. Gleichzeitig gingen die Reklamationen zu Kon­flikten zwischen Bikenden und Wandernden weiter zurück. Die Fairdinand-Einsätze werden mehrheitlich positiv bewertet und liefern laufend Hinweise für Verbesserungen. Der Austausch mit allen involvierten Akteuren liefert zudem laufend Hinweise, um Angebot und Kommunikation zu verbessern.

Für die Isartrails heißt das: Sensibilisierung wirkt nicht von heute auf morgen. Sie braucht Zeit, Wiederholung und verlässliche Botschaften. Das offizielle Angebot muss deshalb von Beginn an sichtbar, verständlich und emotional anschlussfähig sein – bei der Tourenplanung, in der Community und im Gelände. Erst wenn Menschen dieselbe Haltung immer wieder erleben, wird daraus Gewohnheit. Und aus Gewohnheit entsteht langfristig eine neue Trailkultur.


Graubünden: Mit Fairdinand zu mehr Respekt und Toleranz auf den Trails

Als kantonale Kampagne fördert Fairtrail seit 2019 in Graubünden Respekt und Toleranz zwischen den Wegnutzenden sowie gegenüber Wald, Wild und Alpwirtschaft, damit das bestehende Wegenetz weiterhin gemeinsam genutzt werden kann. Zur Kampagne gehören Grundlagenarbeit, Schulungen, Kommunikationsmaßnahmen, Fairdinand- Einsätze sowie die Entwicklung von konkreten Lösungen und Leitfäden zur Verbesserung der Koexistenz. Kennzeichnend ist, dass vom Tiefbauamt über das Amt für Wirtschaft sowie die Destinationen und vom Wanderleiter bis hin zum Bikeguide alle beteiligten Institutionen eingebunden sind. Die Initiative wird inzwischen von anderen Kantonen übernommen.

Infos: graubuenden.ch/fairtrail