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Bergwacht-Blick alpinwelt 3/2026
Die Bergwacht wertet nicht, sie hilft – und hat deshalb auch Respekt verdient, findet Peter Eisenlauer, Vorsitzender der Bergwacht Bayern
Text: Peter Eisenauer, Foto: Bergwacht Bayern
Mehr als 9000 Mal im Jahr wird die Bergwacht im bayerischen Alpenraum und den Mittelgebirgen alarmiert. Hinter jeder Alarmierung steht eine eigene Geschichte. Was alle Einsätze verbindet, ist ein Wert, der in den Bergen von besonderer Bedeutung ist: Respekt.
Respekt beginnt bei den Menschen, die Hilfe benötigen. Wer verunglückt, befindet sich oft in einer Ausnahmesituation. Erfahrene Einsatzkräfte erkennen häufig, welche Faktoren zu einem Unfall beigetragen haben – etwa Unachtsamkeit, eine Fehleinschätzung der Verhältnisse und des Wetters, der eigenen Leistungsfähigkeit, unzureichende Ausrüstung oder einfach Pech. Doch wenn der Notruf eingeht, treten diese Fragen in den Hintergrund. Die Bergwacht wertet nicht. Sie hilft. Ohne Vorwürfe und ohne Schuldzuweisungen. Denn niemand geht mit dem Ziel in die Berge, gerettet werden zu müssen.
Mit Bergen lässt sich nicht verhandeln
Einsatzkräfte anzuerkennen. Ein Notruf setzt häufig eine komplexe Rettungskette in Gang. Ehrenamtliche verlassen ihre Arbeit, ihre Familien oder ihre Freizeit. Einsatzleitungen und Rettungsteams treffen unter Zeitdruck Entscheidungen, Hubschrauber werden alarmiert und Mannschaften steigen oft in anspruchsvolles Gelände auf. Entscheidend ist dabei nicht, welche Rettung sich jemand wünscht, sondern welche unter den jeweiligen Bedingungen verantwortbar und möglich ist. Diese Entscheidungen dienen immer zwei Zielen: den Betroffenen bestmöglich zu helfen und gleichzeitig die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.
Dazu gehört auch der Respekt vor dem Ehrenamt. Die Bergwacht Bayern lebt vom Engagement ihrer Einsatzkräfte. Sie investieren unzählige Stunden in Ausbildung und Training und stehen rund um die Uhr für Einsätze bereit. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich.
Respekt gilt schließlich auch der Bergwelt selbst. Die Berge sind kein Freizeitpark. Gerade ihre Ursprünglichkeit macht ihren Reiz aus. Sie verlangen Eigenverantwortung, Umsicht und die Bereitschaft, Grenzen zu akzeptieren. Wetterumschwünge, Steinschlag oder Lawinen lassen sich nicht verhandeln.
Auch Bergretterinnen und Bergretter sind keine Helden oder Übermenschen. Sie verfügen über Erfahrung und eine fundierte Ausbildung, sind aber denselben Naturgefahren ausgesetzt wie alle anderen. Gerade deshalb wägen sie Risiken sorgfältig ab und treffen ihre Entscheidungen mit großer Verantwortung – gegenüber den Verunglückten ebenso wie gegenüber den eigenen Kameradinnen und Kameraden.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft: Respekt vor den Bergen, Respekt vor den eigenen Möglichkeiten, Respekt vor den Menschen, die Hilfe brauchen, und Respekt vor denen, die helfen. Dieser gegenseitige Respekt gehört seit jeher zum Bergsport – und prägt unsere Arbeit Tag für Tag.
Ausdruck von Respekt sind natürlich auch Spenden, auf die die Bergwacht Bayern angewiesen ist.
Der ehemalige aktive Bergwachtler der Bereitschaft Sonthofen Peter Eisenlauer ist seit 2025 Vorsitzender der Bergwacht Bayern.
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