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Mit mehr als 2000 Touren, Kursen, Events und Veranstaltungen pro Jahr ist unser alpinprogramm das größte Angebot im Bergsport weit und breit. Dank der intensiven Emissionsbilanzierung ist auch klar, welchen Anteil das Programm an den Gesamtemissionen des Alpenvereins München & Oberland trägt: 2024 waren es 359 Tonnen CO2-Äquivalente, gleichbedeutend mit zwölf Prozent der Gesamtemissionen. Martin Lehmann, der für die Sektion München das alpinprogramm verantwortet, sagt: „Nicht so viel, wie man vielleicht vermuten würde, aber das kann auch noch weniger werden.“

Wo man reduzieren will, ist ebenfalls klar: Mit 246 Tonnen CO2-Äquivalenten wird der Löwenanteil durch Mobilität verursacht. „Die An- und Abreise ist der größte Treiber“, sagt Lehmann, „und hat daher von uns in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen.“

So ist das Prinzip der stadtnahen Ausbildung inzwischen fest im alpinprogramm verankert. „Wir fahren nicht mehr zwingend für alles in die Berge“, sagt Lehmann. So übte man die Spaltenbergung, für die man sonst zwei Tage auf den Gletscher müsste („ein krasser Aufwand für einmal rausprusiken“), einfach mal an Bäumen im OIympiapark. Inzwischen hat sich der Spaltenbergungsabend im Bootshaus an der Floßlände fest etabliert. Spannender Nebeneffekt: „Schon lange bevor wir in CO2-Äquivalenten gerechnet haben, hat sich herausgestellt: Der Abendkurs in der Stadt ist viel beliebter als der Zwei-Tage- Kurs am Gletscher“, erzählt Lehmann.

Ausgebaut werden soll das Prinzip der stadtnahen Ausbildung auch beim Klettersteiggehen, bei der behelfsmäßigen Bergrettung und sogar beim Alpinklettern. Natürlich kann die Halle die echte Bergwelt nicht eins zu eins ersetzen. „Aber wenn man die Grundlagen stadtnah in der Halle lernt, kann man die Zeit im Gebirge noch sinnvoller nutzen“, so Lehmann. Auch von den Isartrails versprechen sich die Macher des alpinprogramms einiges. „Dann müssen wir nicht mehr das Rad ins Auto packen, im Stau stehen, um dann irgendwo am Berg Fahrtechnik zu üben“, hofft Lehmann.

Es gibt keine Vorschriften, nur Empfehlungen

Natürlich lässt sich nicht jede Fahrt in die Berge vermeiden. Deshalb haben die alpinprogramm-Macher viel Zeit und Energie in die Optimierung der Öffi-Touren gesteckt. Lag der Anteil an Öffi-Touren 2021 noch bei 23 Prozent, sind es 2025 schon 36 Prozent – Hallen- und Theoriekurse bereits herausgerechnet. „In dieser Steigerung steckt auch viel Christoph drin“, sagt Lehmann und meint Christoph Detsch, der das gesamte Outdoor-Angebot auf Öffi-Tauglichkeit prüfte und oft gute ÖPNV-Alternativen fand – und zwar ohne Zumutungen wie dreimaliges Umsteigen oder drastischen Zeitverlust im Vergleich zum Pkw.

 

»Wenn man die Grundlagen stadtnah in der Halle lernt, kann man die Zeit im Gebirge noch sinnvoller nutzen.«

– Martin Lehmann

 

Ein weiterer Baustein ist die Erhöhung der Öffi-Pauschale für die Veranstaltungsleiter und -leiterinnen. „Wer seine Touren- bzw. Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen dazu animiert, mit Öffis anzureisen, erhält eine Extra-Vergütung“, erklärt Dagmar Gehmacher von der Sektion Oberland. „Denn, Hand aufs Herz: Das erfordert mehr Koordination, als einfach Fahrgemeinschaften zu bilden.“

Der Erfolg gibt den alpinprogramm-Machern Recht. Für 2025 wurde erstmals flächendeckend erhoben, wie die Anreise zu den alpinprogramm-Veranstaltungen erfolgt ist – mittels Fragebögen an die Leiterinnen und Leiter. Das Fazit: Bei den ÖPNV-Touren reisen mehr als 70 Prozent der Teilnehmenden tatsächlich auch mit Öffis an.

Bezogen auf das Gesamtprogramm sind es immer noch um die 40 Prozent. „Es lebt vom Mitmachen“, sagt Lehmann, „dafür wollen wir werben.“ Denn vorschreiben kann und will man den Teilnehmenden die Wahl des Verkehrsmittels natürlich nicht.

„Wir verbieten keinen Autoverkehr, das wäre heuchlerisch“, stellt Lehmann klar. „Aber wir wollen da, wo es geht, einen möglichst geringen Fußabdruck hinterlassen.“ Schon wohnortbedingt kann es sein, dass eine Öffi-Anreise, etwa zu einer Skihochtour, nicht praktikabel ist. Hinzu kommen ein veritabler Tarifdschungel, sobald es ins Ausland geht, und das Problem der Rückerstattung: „Wenn eine Tour kurzfristig abgesagt wird, haben wir derzeit keine Möglichkeit, ein vorab gekauftes Zugticket rückzuerstatten. Das Auto kann ich aber einfach in der Garage stehenlassen“, beschreibt Gehmacher das Problem.


Mensch hängt in Kletterhalle in Klettergurt und baut einen Seilzug.

↑ Spaltenbergung lässt sich auch in München üben. Foto: Archiv Alpenverein München & Oberland


Das gehe etwa auch mit Fahrgemeinschaften. So wird bei einer alpinprogramm-Tour vorab abgefragt, wie viele Pkw-Plätze zur Verfügung gestellt werden können. „Unsere aktuelle Auslastung liegt bei 2,5 Personen pro Pkw“, berichtet Lehmann. Zwar gebe es bei jeder Tour viele, die sich in wenige Autos quetschen – aber auch genau einen, der allein fahre. „Der versaut dann immer den Schnitt, sorry, wenn ich das so sagen muss.“

In der Hand hat man aber, welche Veranstaltungen überhaupt angeboten werden. Flugreisen kommen generell nicht infrage – auch dann nicht, wenn in den Alpen mal kein Schnee liegt. „Für Hochtouren müssen wir natürlich an die Gletscher“, so Lehmann, „aber alles andere machen wir so nah wie möglich.“ So finden Tagestouren im alpinprogramm innerhalb eines 150-km-Radius um München statt, für Wochenendveranstaltungen gilt ein 250-km-Radius. „Das ist unsere grüne Zone“, so Gehmacher, „die ist für uns bindend.“

Früher gab es Wochenend-Trips nach Arco, „heute sind wir mindestens vier Tage dort“, so Lehmann. Auch der Ortler ist nicht mehr im Programm – die Kombination aus häufig schlechten Bedingungen am Normalweg und mangelnden Alternativtouren von der Payerhütte sind die lange Anreise nicht mehr wert. „Wir fragen uns zunehmend, wie viele Stunden wir auf Achse sein wollen – das ist gar nicht nur eine CO2-Frage. Das Verhältnis von Fahrzeit und Gebirgszeit muss passen.“ Wenig nachgefragt war bisher das Angebot, Touren vermehrt unter der Woche durchzuführen. „Wenn die Hütten und Straßen leer sind, sind es die Touren leider meistens auch“, schildert Gehmacher die Lage.


So findest du Öffi-Touren im alpinprogramm

Wir haben alle Veranstaltungen, die von München aus gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, mit einem entsprechenden Icon gekennzeichnet. Eine Übersicht dieser Kurse und Touren kannst du filtern.

zum alpinprogramm

Zu den Personen

Arnold Zimprich

Martin Lehmann

Leitung Veranstaltungsprogramm, Sektion München


Arnold Zimprich

Dagmar Gehmacher

Ausbildungs- und Tourenwesen, Sektion Oberland