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Zwei Jahre nach dem großen Schwerpunktthema zu den Isartrails in der alpinwelt 3/2024 steht das Projekt unter der Trägerschaft der Sektion München jetzt auf der Startlinie. Hinter den Kulissen wird intensiv verhandelt und geplant. Die Isartrails sind nicht nur eine, sondern viele Fragen des Respekts. Ein Kommentar und der aktuelle Projektstand im Überblick.
Text: Bea Draese, Fotos: Laura Betzler
↑ Fifty-fifty: Von den insgesamt 58 Isartrail-Kilometern werden 28 Kilometer reine Trails sein, der Rest verbindende Forstwege bzw. Straßen.
Als ich vor über zwei Jahren bei der Sektion München im Ressort Natur, Umwelt und Klimaschutz angefangen habe, kam die Sprache auf „noch so ein Radprojekt im Isartal“, aber ob es zustande käme, sei ungewiss. Heute, im Herbst 2026, nimmt dieses „Radprojekt“ längst den Großteil meiner Arbeitszeit ein. Ganz häufig geht es dabei schlicht und einfach, wie einige Beispiele zeigen sollen, um Respekt – als Grundvoraussetzung und zugleich Ziel des gesamten Vorhabens „Isartrails“.
Die große Herausforderung bei den Isartrails, die kein reines Bauvorhaben, sondern ein Naturschutzprojekt zur Lenkung des MTB-Verkehrs im Isartal sind, liegt in der schieren Größe des Vorhabens. Im Isartal erholen sich die Einwohner einer im Wachstum befindlichen Millionenstadt. Sie genießen dort ihren Spaziergang, haben Spaß auf dem Rad oder joggen mit ihrem Hund. Tausende von Menschen mit ebenso vielen Interessen, die alle Respekt verdient haben, solange sie niemandem schaden. Die geplanten Isartrails kreuzen auf einer Fläche von ca. 1700 Hektar mehr als 500 einzelne Flurstücke mehrerer Eigentümerinnen und Eigentümer. Es gibt forstwirtschaftliche Interessen, FFH-Richtlinien und natürlich Haftungsfragen. Und auch wenn die Bürokratie uns dabei an den Rand des Wahnsinns treibt, ist natürlich zu respektieren, dass man an ihr nicht vorbeikommt. Also holen mein Team und ich Stempel für Stempel und eine Unterschrift nach der anderen ein, um die Isartrails wahr werden zu lassen.
Stempel um Stempel, Meter um Meter
Groß sind bei den Isartrails auch die Bedenken und das Frustpotenzial. In meiner Position als neue Projektleiterin hatte ich gerade zu Beginn Probleme damit, gehört zu werden, wenn ich mal wieder die einzige Frau in der Besprechung war. Liegt es an meinem Geschlecht, dass ich in meiner Funktion und Verantwortung erst Respekt „erarbeiten“ muss? Oder daran, dass ich im Durchschnitt 20 Jahre jünger bin als die anderen Personen im Raum? Es hat auf jeden Fall gedauert, bis meine Leitung akzeptiert wurde und ich das Vertrauen der Beteiligten so weit gewonnen hatte, dass das destruktive „Bringt ja eh alles nichts“ und brüllend vorgetragene Wünsche nach Totalsperrungen echtem Interesse an Sachfragen wich. Hier hätte ich mir mehr Respekt vor dem eigentlichen Ziel gewünscht: in allen Interessen einen gemeinsamen Nenner zu finden, die geschützte Natur im Isartal zu bewahren und stadtnahe Erholung möglich zu machen. Auf MTB-Trails, die kein Funpark sind, aber auf der Feierabendrunde Laune machen.
↑ Auf den Karten ist so weit alles geplant – aber wie sieht es mit dem Respekt in der Praxis aus?
Am Anfang und am Ende dieses Vorhabens steht der Respekt vor der Natur und voreinander.
Wir können Routen planen, Schilder aufstellen, ein Rettungskonzept entwickeln und alle Genehmigungen einholen, die nötig sind. Letztlich entscheiden nur die Menschen auf den Trails im Isartal, ob die Lenkung funktioniert. Ich war mehrmals wirklich niedergeschlagen und wortlos, wenn mir Anwohnerinnen oder Eigentümer berichteten, wie respektlos mit ihrem Grundstück umgegangen wird oder wie egoistisch die Menschen sich verhielten, wenn sie sich im Wald begegnen. Und obwohl man sich manchmal nur noch ein Schild mit dem simplen Aufdruck „Sei kein Depp!“ wünscht, gilt es, kompromissbereit zu bleiben. Schnittmengen zu finden, alle Bedenken, Sorgen und Wünsche miteinzubeziehen. Zu respektieren, dass die Grundstückseigentümerin ein anderes Interesse hat als der Naturschutzverband. Zu respektieren, dass Nutzungsdruck Lenkung braucht. Damit die Isartrails funktionieren und ökologisch sensible Bereiche beruhigt werden, müssen alle ihren Teil dazu beitragen.
Mein Appell an alle, die so gerne ihr Feierabendbier an der Isar trinken, sich zu einer Partie Spikeball am Flaucher treffen oder ihr neues MTB im Matsch der Isarhänge runterbremsen: Ihr entscheidet am Ende mit eurem Respekt vor der Natur und voreinander, mit eurem Handeln, ob das Isartal solch eine Perle der Natur bleibt.
Bea Draese ist Projektleiterin der Isartrails und Leiterin des Ressorts Natur-, Umwelt- & Klimaschutz bei der Sektion München.
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