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Wie wichtig sind die Bergbahnen für die Einsatzbereitschaft der Bergwacht in Garmisch-Partenkirchen?

Das kommt auf die Jahreszeit an. Unsere Sommer- Diensthütten sind – abgesehen von der Zugspitze – per Geländewagen erreichbar. Bei einem Sommereinsatz bei Tageslicht und guter Witterung nimmt man – gerade wenn es ein schwerwiegenderer Unfall ist – nach Möglichkeit den Hubschrauber, bei weniger brisanten Einsätzen unsere Fahrzeuge. Da greifen wir verhältnismäßig wenig auf die Bahn zurück.

Im Winter schaut es aber anders aus – ihr macht ja auch Dienst im Skigebiet.

Richtig, da arbeiten wir natürlich den ganzen Tag mit den Bahnbetreibern zusammen und sind auch abhängig von ihnen und den Liften. Einsatztechnisch wird die Bergbahn dann ein Thema, wenn es Nacht wird und das Wetter schlecht ist, der Hubschrauber also nicht fliegen kann. Vor allem auf der Zugspitze.

Wie bekommt ihr dann die Bahn ans Laufen?

Wir müssen den Betriebsleiter aus dem Bett holen, und der muss sein Personal hinzuziehen, das er für die Steuerung braucht. Das kann schon mal eine Stunde dauern. Was man dabei oft vergisst: Wenn das Personal nachts für uns arbeitet, können die am nächsten Tag, schon rein arbeitsrechtlich, nicht ohne Weiteres ihren Dienst tun. Das ist natürlich ein Problem. Übrigens ist ein Bahnabtransport über die Krankenkasse nicht abrechnungsfähig und muss daher vom Verletzten selbst bezahlt werden.

Was ist ein typischer Fall für einen Gondeleinsatz der Bergwacht? Der Jubiläumsgrat- Begeher, der blockiert ist?

Ein typischer Fall wäre jemand, der zu Fuß auf die Zugspitze steigt, aber die Zeit nicht im Blick hat, die letzte Bahn verpasst und dann nach Sondergondeln fragt. Da versuchen wir nach Möglichkeit, nicht gleich die Gondel einzuschalten. Gegebenenfalls kann im Betriebsgebäude biwakiert werden, wenn sie oben noch jemand einlässt. Bei Verletzungen ist das natürlich etwas anderes, da setzen wir alle Mittel ein, die zur Verfügung stehen. Und da muss man die wirklich tolle Zusammenarbeit mit den Bahnbetreibern loben, da sind wir sehr dankbar. Die würden für uns alles möglich machen.

Ohne die Bahnen wären aber auch weniger Touristen da, die sich verletzen können. Sind die Bahnen Fluch und Segen zugleich?

Ein Fluch sicher nicht, Garmisch-Partenkirchen lebt vom Tourismus. Natürlich erleichtern Bahnen den Zustieg ins Gebirge. Im Winter hätten wir sicher 500 Einsätze weniger, weil es ohne Bahnen ja auch keinen touristischen Skilauf geben würde. Im Sommer wären es vermutlich auch etwas weniger Einsätze – wobei man sagen muss, dass auf den Panoramawegen von Bergstation zu Bergstation relativ wenig passiert. Eine Win-win-Situation, die die Bahn möglich macht: Wir transportieren einen Schwerverletzten im Skigebiet zur Bergstation, und gleichzeitig wird ein Notarzt aus dem Tal hinaufgebracht. Das geht sehr schnell und effektiv. Da ist die Bahn schon ein Segen.


Zur Person

Bild Dr. Alexandra Schweikart

Andreas Dahlmeier ist Bereitschaftsleiter der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen.