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Weniger Blechlawinen, mehr Bergzeit: Thomas Osterman kämpft mit seiner Gruppe ZugBusBerg dafür, dass Bergtouren künftig öfter am Bahnhof beginnen (können) – und beweist dabei große Ausdauer.
Text: Lubika Brechtel; Titelbild: Archiv Osterman, alpinwelt 2/2026
Wer beim Gruppennamen ZugBusBerg an gemeinsame Öffi-Touren denkt, liegt falsch. Aber auch nicht ganz daneben. Die Mitglieder dieser 2020 gegründeten Gruppe der Sektion München sind freilich auch am Berg unterwegs – bevorzugt mit dem ÖPNV. Doch ihre eigentliche Arbeit beginnt lange vor dem ersten Schritt, und zwar beim Fahrplan. Die Engagierten rund um Leiter Thomas Osterman wollen die Interessen von Bergsportlerinnen und Bergsportlern im Bahn- und Busverkehr stärker sichtbar machen und konkrete lokalpolitische Verbesserungen anstoßen.
Entstanden ist die Initiative 2019 als Arbeitsgruppe für nachhaltige Mobilität. Ein Jahr später folgte die Gründung der Sektionsgruppe. Statt Tourenplanung stehen für Thomas also Analyse, Beobachtung und Auswertung von Linienplänen, Taktungen und Ausschreibungen auf der Agenda. „Ich finde es einfach entspannter, mich nach der Tour in den Zug zu setzen, eine Brotzeit zu essen und heimkutschieren zu lassen,“ sagt der 44-Jährige über seine persönliche Motivation.„Wir gehen natürlich privat gerne in die Berge“, ergänzt der studierte Informatiker. „Aber eben nicht als Gruppe mit einem Tourenprogramm.“ Die Arbeit von ZugBusBerg findet eher im Hintergrund statt: Die Mitglieder analysieren Bahn- und Busverbindungen in die Alpenregionen, sammeln Informationen zu Tickets und Fahrplänen und veröffentlichen Planungshilfen für autofreie Bergtouren. Gleichzeitig sehen sie sich als Interessenvertretung gegenüber Politik und Verkehrsbetrieben. Wenn neue Buslinien ausgeschrieben werden oder Fahrpläne überarbeitet werden, mischen sich die Ehrenamtlichen mit Unterstützung der Sektion ein. „Wir schreiben an die verantwortlichen Stellen und weisen darauf hin, dass nicht nur der Berufsverkehr berücksichtigt werden sollte, sondern auch der Ausflugsverkehr“, erklärt Osterman, der sich auch im Verein „PRO BAHN“ engagiert.
Denn an schönen Wochenenden zeigt sich das bekannte Bild. Kilometerlange Autoschlangen, überfüllte Parkplätze, verstopfte Täler. Osterman ist überzeugt: Ein attraktiver öffentlicher Verkehr könnte hier viel Druck aus den Regionen nehmen. „Wenn der Fahrplan unpraktisch ist, fahren natürlich alle mit dem Auto hin“, sagt er. Ein Busangebot könne dagegen dazu beitragen, „dass der Parkdruck vor Ort sinkt und die Blechkolonnen weniger werden“.
↑ Was tut sich in Sachen Fahrplan? Bild eines typischen Gruppenabends bei „ZugBusBerg“
Aus diesem Gedanken heraus haben Osterman und seine Mitstreiter ein Positionspapier für Zug- und Busangebote in Bayerns Berge entwickelt. Zu den Mindestanforderungen zählen mehrere Verbindungen am Morgen und am Abend sowie spätere Rückfahrten – besonders wichtig im Sommer, wenn Touren länger dauern. Osterman versteht seine Arbeit auch als Nachhaltigkeitsthema. „Der Alpenverein ist ein anerkannter Naturschutzverband, und Naturschutz umfasst auch die Reduktion des Individualverkehrs“, bezieht er klar Stellung.
Mit Ausdauer gegen die Eingleisigkeit
Der harte Kern von ZugBusBerg umfasst etwa fünf bis zehn Engagierte, im Schnitt um die 50 Jahre alt. Die Hintergründe sind unterschiedlich: Einige bringen berufliche Erfahrung aus dem Verkehrsbereich mit, andere sind politisch aktiv oder einfach begeisterte Öffi-Nutzer. Osterman selbst begeistert sich seit seiner Kindheit für Bahn- und Busverkehr. „Ich habe irgendwann angefangen, Fahrpläne zu analysieren, weil ich verstehen wollte, nach welchem Muster sie aufgebaut sind“, erklärt er sein umfangreiches Fachwissen. Sein Know-how kommt der Gruppe heute zugute, etwa bei Stellungnahmen an die Politik oder bei Verbesserungsvorschlägen für Fahrpläne.
Trotzdem ist die ehrenamtliche Arbeit oft mühsam: Planungen dauern lange, Infrastrukturprojekte sind kompliziert und nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen. „Man merkt manchmal, wie zäh solche Prozesse sind“, sagt Osterman. Als Herausforderungen benennt er vor allem langsame politische Entscheidungen, eine unsichere Finanzierung, Personalmangel im Busverkehr und chronische Infrastrukturengpässe.
Besonders wurmen ihn die vielerorts eingleisigen Bahnstrecken im bayerischen Alpenvorland. Trotzdem bleibt er mit seiner Gruppe am Ball: „Steter Tropfen höhlt den Stein ist unser Motto“, sagt der Gruppenleiter mit einem Schmunzeln. Ein Erfolgskonzept ist in seinen Augen der Münchner Bergbus: Nachdem das Pilotprojekt zunächst nur eine Hin- und Rückfahrt pro Tag anbot, wurden später zusätzliche Verbindungen eingeführt. Auch dass für die „Tour der Woche“ nur noch per ÖPNV erreichbare Ziele ausgewählt werden, geht mit zurück auf die Initiative von ZugBus- Berg, erklärt Osterman sichtlich stolz.
Langfristig will Osterman mit seiner Gruppe auch über Bayern hinausblicken. Als Vorbild nennt er immer wieder Südtirol: Die beliebte Urlaubsregion punktet in seinen Augen mit dichtem Busnetz, guter Taktung und Gästekarten, die die Nutzung des öffentlichen Verkehrs bereits im Übernachtungspreis enthalten. „Am Ende geht es darum, dass man einfach entspannt in die Berge kommt – und genauso entspannt wieder nach Hause“, fasst er den gemeinsamen Nenner der Gruppenmitglieder zusammen.
Das richtige Ticket für die Tour und weitere Tipps und Tricks zur Öffi-Nutzung findet ihr auf der Gruppenwebsite von ZugBusBerg.
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