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„Nur noch 2 Stunden bis zur Hütte.“Also los. Ein bisschen straffer Schritt, vielleicht noch eine kurze Trinkpause. Am Ende werden es doch drei Stunden. Oder – selten, aber möglich – du bist plötzlich viel schneller als angegeben.Dieses kleine Rätsel kennt jede*r, der öfter in den Bergen unterwegs ist. Und zwangsläufig taucht irgendwann die Frage auf:Wer legt diese Zeiten eigentlich fest? Und schreiben die Verantwortlichen da einfach irgendeinen Wert drauf?
Gehzeiten werden nicht nach Gefühl angeschrieben, sondern berechnet:
Wir berechnen beide Werte (Gehzeit für Höhendifferenz bzw. für Horizontalentfernung) zuerst separat. Dann wird der kleinere Wert halbiert und zum größeren Wert addiert.
Beispiel: Es sind 1200 hm und 8 km Entfernung bis zur Hütte (Aufstieg). Bei 1.200 Höhenmetern im Aufstieg kommt man auf ca. 4 Stunden Gehzeit, die 8 km Horizontalentfernung ergeben nochmal 2 Stunden. Der kleinere Wert (2 Stunden) wird halbiert, und zum größeren Wert addiert. Also 4 Stunden + 1 Stunde = 5 Stunden Aufstiegszeit.
Dieses System ist sogar offiziell geregelt – in der Norm DIN 33466 für Wanderwegweiser.
Grundlage ist ein durchschnittliches Wandertempo – nicht das eines trainierten Trailrunners, sondern das eines normalen Bergwanderers. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass sie nicht immer stimmen. Das liegt allerdings selten an der Berechnung selbst. Vielmehr spielen Faktoren eine Rolle, die das System bewusst nicht berücksichtigt: Pausen, Tagesform, Wetter, Gepäck, Fotostopps oder die Dynamik in einer Gruppe.
Die Gehzeit ist deshalb kein Versprechen, sondern eine Orientierung. Sie sagt: Unter normalen Bedingungen, in gleichmäßigem Tempo, solltest du etwa so lange unterwegs sein.