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Alpine Nachhaltigkeit auf Hütten (ANAH)

Projekt zu integrativ-nachhaltigem Hüttenbetrieb in den Alpen

Im Rahmen des Interreg-Förderprojekts "Alpine Nachhaltigkeit auf Hütten" (ANAH) untersucht die Sektion München in Kooperation mit dem Institut für Geographie der Universität Innsbruck den aktuellen Zustand unterschiedlicher Alpenvereinshütten hinsichtlich deren Nachhaltigkeit und setzt sich mit folgender Fragestellung auseinander:

Wie kann ein nachhaltiger Hüttenbetrieb auf Alpenvereinshütten umgesetzt werden?

  • Welche Themen sind ausschlaggebend für einen nachhaltigen Hüttenbetrieb? Untersucht werden die Bereiche CO2-Emissionen, Ver- & Entsorgung der Hütte, Mobilitätsverhalten der Gäste, regionale Angebote etc.
  • Wie können soziale, ökonomische und ökologische Zielsetzungen in Einklang gebracht werden?

Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit wird ein Indikatoren-Verfahren verwendet, das im Rahmen einer Pilotstudie (HIGHT) der Universität Innsbruck (UIBK) und der Sektion München bereits auf dem Taschachhaus ermittelt wurde. Aus diesen Hüttenbetriebs-Analysen werden standortbezogen Maßnahmen abgeleitet und innovative Konzepte gemeinsam mit den Verantwortlichen im lokalen Kontext erarbeitet.

Ziel der Forschung ist die Verbesserung des bisherigen Untersuchungsverfahrens mit Hilfe einer Validierung der Pilotstudie durch Anwendung auf anderen Alpenvereinshütten. Ein Monitoring-System beobachtet einerseits die Wirkung der Maßnahmen und liefert andererseits fortlaufend neue Erkenntnisse, die in den laufenden Validierungsprozess einfließen. Begleitend dazu werden die auf dem Taschachhaus gewonnenen Erkenntnisse in weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit umgesetzt.

Hüttensaison 2021: Start der Feldarbeit 

Unterstützt uns!

Wir setzen die ANAH-Projektarbeit aktuell auf folgenden Alpenvereinshütten um: 

  • Albert-Link-Hütte
  • Höllentalangerhütte
  • Reintalangerhütte
  • Taschachhaus
  • Watzmannhaus
  • Franz-Senn-Hütte

Dazu führen wir aktuell auf unseren Hütten Befragungen der Gäste durch. Bitte helft uns, und füllt gerne vor Ort einen Fragebogen aus!

Mit eurer Unterstützung tragt ihr dazu bei, einen besseren Einblick in die komplexen Zusammenhänge von Hütte, Bewirtschaftung und Gästeverhalten zu bekommen. 


Ziele

Datenerfassung in der Feldarbeit
Hüttentechnik auf dem Prüfstand
Ziel ist eine umfassende und multiskalare Betrachtungsweise der Hüttenbewirtschaftung sowohl im tiroler als auch bayerischen Alpenraum nach Aspekten der Nachhaltigkeit im Spannungsfeld zwischen Bergsport und Naturraum. Dabei werden drei Schwerpunkte wie bereits in der Pilotstudie gesetzt, die die unterschiedlichen Reichweiten der Hütte berücksichtigen:
  1. Hüttengebäude und Infrastruktur
  2. Hüttenbetrieb und Versorgung/Entsorgung
  3. Einfluss der Gäste durch Bergsport und An-/Abreise und Gesellschaft-Natur-Beziehungen

Das Projekt zeichnet sich durch seine grenzüberschreitende Analyse aus. Während dessen Laufzeit wird ein innovatives, integratives Analyse-Tool (weiter-)entwickelt, das die Bewertung eines nachhaltigen Hüttenbetriebs ermöglicht. Darüber hinaus sollen aus den gewonnenen Erkenntnissen Maßnahmen abgeleitet werden, um den Betrieb nachhaltiger gestalten zu können. Aufbauend auf der erfolgreichen Pilotstudie (HIGHT 2018–2020) am Taschachhaus im Pitztal werden nun eine Reihe von Hüttenstandorte mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgewählt (Sommer- und Winterbetrieb, Höhenlage, Infrastrukturanschluss, etc.), um die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und die Hüttenvielfalt, die den Alpenverein auszeichnet, abzubilden.

Aus diesen Hüttenbetriebs-Analysen werden standortbezogen Maßnahmen-Felder abgeleitet, innovative Konzepte gemeinsam mit den Verantwortlichen im lokalen Kontext bewertet und die Umsetzung eingeleitet. In der Projektlaufzeit kann die Wirkung der Maßnahmen anhand des Analyse-Tools überprüft werden.

 

Was ist neu?

Bisherige Studien fokussieren sich überwiegend auf eine isolierte Betrachtungsweise wie Energiesparmaßnahmen und Gebäudesanierungen (BHKW, Sonnenenergie, Wasserkraft, Wärmedämmung usw.). Die aktuelle Studie erweitert den Untersuchungsrahmen und fügt den Menschen und sein Verhalten als Faktor hinzu. Es werden neben ökonomischen, soziale und ökologische Aspekte (Einbindung lokaler u. regionaler Akteure, Reiseverhalten der Gäste, Hütten-Arbeitsplatz o. Ä.) betrachtet und mit quantitativen und qualitativen Methoden analysiert. Mittels interdisziplinärer Zusammenarbeit werden weitere Analysekompetenzen einbezogen.


Grenzüberschreitende Herausforderungen – grenzüberschreitende Potenziale

Der Hüttenbetrieb des Taschachhauses wurde im Pilotprojekt analysiert und dient als Modell-Grundlage.

Unabhängig vom Standort stehen AV-Hütten, wie andere alpine Übernachtungsbetriebe mit und ohne Insellage, im gesamten Alpenraum vor ähnlichen global-lokalen Herausforderungen. In Oberbayern und Tirol werden repräsentative Hüttenstandorte mit ihren existierenden grenzüberschreitenden Verflechtungen (Ver-/Entsorgung, Besitz, Verkehr) ausgewählt, um das bestehende Indikatoren-Analyse-Modell zu testen und zu verbessern. Die Verflechtungen der Alpenvereinshütten mit Sektionen sowie Pächtern in verschiedenen Räumen mit ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontexten sind ein maßgeblicher Faktor, der einen grenzüberschreitenden Ansatz notwendig macht.

Potentiale liegen in einer nachhaltigen Entwicklung betrieblicher Strukturen im alpinen Raum durch innovative Konzepte und grenzüberschreitende Netzwerke. Durch den Aufbau von Vernetzungsstrukturen zwischen Alpenverein, Universität und regionalen Stakeholdern (Tourismusverbände, Regionalentwicklung, Schutzgebiete, etc.) sowie Zulieferbetrieben, Dienstleistern und öffentlichen Einrichtungen werden innovative Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung ermöglicht und gefördert.


Ergebnisse und Potenziale

Projektpotenziale liegen erster Linie in einer nachhaltigen Entwicklung der Alpenvereinshütten. Langfristig soll das Konzept von weiteren alpinen Verbänden und Alpenvereins-Sektionen an weiteren alpinen Hüttenstandorten angewendet und somit ein Standard geschaffen werden, der sich im gesamten Alpenraum umsetzen lässt.Die aus den Erkenntnissen mehrerer Standorte generierten Ergebnisse dieser Studie werden in einem Leitfaden veröffentlicht. Daraus können unmittelbare Lösungsvorschläge und nachhaltige Optimierungsmöglichkeiten für Hütten in Bayern und Tirol abgeleitet werden.

Transdisziplinäre, integrative Beteiligungsansätze relevanter Stakeholder in Forschung und Anwendung eröffnen fortlaufende Auseinandersetzung mit wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Themen um Nachhaltigkeits-Transformationen, um Handlungsfelder aufzuzeigen und kontextualisiert zu erproben. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der Hüttenbetrieb sowie dessen Verantwortliche auf mehreren Ebenen.


Das Forschungsprojekt "Alpine Nachhaltigkeit auf Hütten" (ANAH) im Überblick

Die Arbeitsgruppe (v.l.n.r.): Marc Stannartz, Thomas Gesell, Roman Ossner (alle DAV); AGEF: David Segat, Jutta Kister, Yvonne Lesewa


Projektzeitraum:
01.01.2020–30.06.2022

Teammitglieder Sektion München:
Marc Stannartz, Thomas Gesell, Roman Ossner

Projektpartner:
Arbeitsgruppe Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsforschung (AGEF), Institut für Geografie, Universität Innsbruck

Fördergeber:
§  Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) – European Regional Development Fund (ERDF), Interreg Österreich-Bayern 2014–2020 (75 %)
§  Sektion München des DAV e. V. (25 %)

Kontakt: 
Roman Ossner, Mitarbeiter für Umwelt und Natur der Sektion München