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Wegweiser der Sektionsvorstände, alpinwelt 4/2026
Oberland-Vorstand Matthias Menke über den Luxus, nicht erreichbar zu sein
Text: Matthias Menke , Foto: mauritius images / Fabio Kotinda
Ich sag's gleich vorweg: Wenn ich losgehe, geht mein Handy in den Flugmodus. Nicht lautlos, nicht „nur kurz die Mails“. Flugmodus. Fotos mache ich trotzdem, und im Notfall ist es mit vollem Akku sofort einsatzbereit. Aber erreichen kann mich niemand. Genau das finde ich großartig. Für die Dauer der Tour gehöre ich niemandem. Für mich ist das Luxus.
Klar kann ein Handy Leben retten. Notruf mit GPS-Koordinaten, Wetterwarnung, digitale Karte: Darauf will keiner verzichten, wenn es drauf ankommt. Nur: Zwischen „im Notfall verfügbar“ und „die ganze Tour eingeschaltet“ liegen Welten. Und mal ehrlich, wer ist denn wegen des Notrufs online? Es geht um die Angst, etwas zu verpassen. Storys, Likes, die eine Nachricht, die keine drei Stunden warten kann. Dabei verpassen wir genau das, wofür wir hochgestiegen sind. Die Stille. Die Weite. Vor allem aber die eigene Erschöpfung, dieser Moment, wenn fünf Stunden Anstieg in den Beinen sitzen und man einfach nur dasteht. Der lässt sich nicht nachholen. Ein Post dagegen schon, und auch eine Mail wartet am Abend immer noch im Postfach, um sie zu beantworten.
Meine These: Wir reden über Sicherheit und meinen eigentlich Gewohnheit. Das Handy ist nicht an, weil jederzeit ein Notruf rausgehen muss. Es ist an, weil es unten im Tal auch immer an ist. Auch bei mir ist der Alltag ziemlich vollgepackt. Das Handy klingelt, der Posteingang füllt sich ständig. Deshalb ist die Zeit auf Tour für mich die Zeit, in der ich niemandem Rede und Antwort stehen muss. Kein Vibrieren, keine Erwartung im Nacken. Das ist egoistisch. Ja. Es ist meine Zeit. Und ich behaupte: Dieser kleine, unverschämte Egoismus ist einer der Luxusmomente, die uns die Berge noch bieten. Für mich ist er ein wichtiger Grund, überhaupt loszugehen.
Es geht um den Schalter, nicht um das Gerät
Diesen Sommer am Großvenediger zum Beispiel: Wir hatten uns einiges vorgenommen, mussten dann aber abbrechen, und ja, das war im ersten Moment enorm ärgerlich. Kein Instagram-taugliches Gipfelfoto also. Wichtig ist dagegen, was geblieben ist: zwei Tage ohne Handy, mit guten Freunden und guten Gesprächen, an die ich mich vermutlich noch erinnern werde, wenn längst vergessen ist, was ich in der Zeit nicht mitbekommen habe.
Jetzt kann man mich als ewig gestrig bezeichnen, heute ist man eben online, Punkt. Nur bin ich kein Technikverweigerer. Ich plane digital, ich navigiere digital, ich fotografiere digital. Und ja, geteilte Freude ist echte Freude, auch die per Bildschirm. Mir geht es nicht um das Gerät, sondern um den Schalter. Wer selbst entscheidet, wann er erreichbar ist, ist deswegen nicht von gestern, sondern souverän. Der DAV sieht das übrigens ähnlich: Das Smartphone soll am Berg nicht die erste Geige spielen. Und verlassen sollte man sich ohnehin nie allein darauf. Karte in den Rucksack, Tourenplan hinterlassen, Akku voll. Wer darauf setzt, dass am Grat schon Empfang sein wird, hat nicht geplant. Der hofft.
Also, Hand aufs Herz: Wie haltet ihr es? Habt ihr das Handy immer griffbereit, oder bleibt es manchmal sogar zu Hause? Prägt ihr euch das Topo vorher ein, oder schaut ihr an jedem Standplatz aufs Display? Ist das Gipfelfoto schon am Kreuz hochgeladen, oder schaut ihr es erst daheim an? Ist Nicht-erreichbar-sein für euch Luxus, Leichtsinn oder schlicht überholt? Und wo liegt die goldene Mitte zwischen bewusstem Abschalten und der Freude, einen schönen Moment sofort mit Familie und Freunden zu teilen?
Zur PersonMatthias Menke ist im Vorstand der Sektion Oberland zuständig für die Bereiche Servicestelle und Ehrenamt.
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