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Es ist für viele die schönste, ganz sicher aber die vielseitigste Bergtour Bayerns: durch das Höllental auf die Zugspitze. Kein Wunder also, dass die meisten Übernachtungsgäste auf der Höllentalangerhütte Deutschlands höchsten Berg zum Ziel haben. In gut 130 Jahren Geschichte hat sich die „Hölle“ immer wieder gewandelt – am meisten wohl beim Ersatzbau vor gut zehn Jahren.
Text: Christian Rauch, Titelbild: imageBROKER / Moritz Wolf
→Einmalige Lage: Von der Hüttenterrasse sind weite Teile des Anstiegs zur Zugspitze und auch Teile des Höllentalferners erkennbar.Foto: picture alliance / Peter Schickert
1876, gut ein halbes Jahrhundert nach der Erstbesteigung der Zugspitze durch das Reintal, gelang erstmals die Durchsteigung aus dem weit schwierigeren Höllental. Bald danach begann die Alpenvereinssektion München Steiganlagen im Höllental zu installieren. Und 1894 entstand die erste Hütte auf dem Höllentalanger – dem einzigen ebenen Fleck zwischen Klamm und Zugspitze, 1387 Meter hoch gelegen.Die „Ur-Hölle“ war ein kleiner Blockhausbau, gerade sechs mal sieben Meter im Rechteck, mit 30 Schlafplätzen. Da sie bald aus allen Nähten platzte, wurde die Hütte in den folgenden Jahrzehnten mehrmals ausgebaut und deutlich vergrößert. Der letzte Anbau erfolgte 1954, dann blieb die traditionsreiche Hütte lange unverändert. 2013 schließlich ging die „Hölle“ – inzwischen stark sanierungsbedürftig – in ihre letzte Saison. Sie wurde abgetragen und an gleicher Stelle eine neue Hütte gebaut – nicht ohne die 120 Jahre alte „Ur-Hölle“, den ursprünglichen Blockhausbau, herauszulösen. Er steht seither im Garten des Alpinen Museums auf der Münchner Praterinsel.
WLAN im Treppenhaus – nur dort
Der Ersatzbau der Höllentalangerhütte öffnete im Sommer 2015 seine Pforten. Mit seiner Architektur, vor allem dem flachen Pultdach, waren zunächst nicht alle glücklich. Doch machte die große Lawinengefahr im Höllental die Konstruktion notwendig. Das Erdgeschoss empfängt mit viel Holz und gemütlichen Gaststuben. Die mehr als 100 Schlafplätze im Obergeschoss verteilen sich auf 62 Betten in Mehrbettzimmern und zwei Matratzenlager mit jeweils 23 Plätzen.
→So fing alles an: Beim Ersatzbau der Höllentalangerhütte vor gut zehn Jahren wurde die „Ur-Hölle“ in den Garten des Alpinen Museums in München verlegt.Foto: picture alliance / Sabine Dobel
Sogar drei Duschen gibt es und WLAN im Stiegenhaus. „Wir haben es jedoch bewusst so eingestellt, dass in den Zimmern und Gaststuben kein Empfang herrscht“, sagt Hüttenwirt Gernot Auer. Der Tiroler bewirtschaftet die Hütte seit 2021 und folgte damit seinem Vater Thomas Auer nach, der schon die „alte Hölle“ versorgte.Gernot ist froh, auf der neuen Hütte zu sein. „Wir sind komplett autark“, betont er. Stolz ist er vor allem auf das Wasserkraftwerk, das im Rahmen des Hüttenersatzbaus installiert wurde. Die „alte Hölle“ wurde ausschließlich mit Strom aus Dieselaggregaten versorgt – 16.000 Liter Diesel brauchte man für eine Sommersaison. An einem Seitenarm des Hammersbachs erzeugt nun eine Pelton- Turbine rund 80 Kilowatt elektrische Leistung, ein Dieselaggregat braucht es nur in seltenen Notfällen. Auch mit Trinkwasser ist man im Höllental reich gesegnet. Gleich oberhalb der Hütte, am Fuß der gut 800 Meter hohen Flanken des Waxensteins, entspringt eine Quelle, die auch in trockenen Sommern bisher nicht vollständig versiegte. Ein Sammeltank für 80.000 Liter kann die Hütte überdies wochenlang versorgen.
→Abmarsch: Für die anstrengenden 1600 Höhenmeter zur Zugspitze empfiehlt sich ein früher Aufbruch.Foto: mauritius images / Bernd Ritschel
Erneuert wurde vor zehn Jahren auch die mechanisch-biologische Kläranlage, die mithilfe von Bakterien bis zu 17.000 Liter Abwasser aus Küche, Waschräumen und WCs reinigt. Nur die Grobstoffe müssen ausgeschieden, gesammelt und mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht werden. Für große Lieferungen fliegt der Hubschrauber noch ein zweites Mal in der Saison. Ansonsten übernimmt die Material-Seilbahn sämtliche Lieferungen und Entsorgungen.Auf der Speisekarte der Höllentalangerhütte wird jeder fündig: Neben Speck- und Kaspressknödeln, Gulasch und Schweinsbraten stehen immer auch vegetarische Spaghetti und der rein vegane Linseneintopf auf der Karte – ebenso wie Brotzeiten, Salat, Kaiserschmarrn und Kuchen. Zur Stärkung am großen Zugspitz-Tag – immerhin stehen 1600 Höhenmeter auf dem Programm – haben die Gäste breite Auswahl: vom deftigen „Bergsteigerfrühstück“ übers vegane Frühstück mit Müsli und Früchten bis zum „Schokofrühstück“ für kleine Bergfexe.
Mehr als nur Zugspitze
Es sind aber bei Weitem nicht nur Zugspitz-Aspiranten, die die himmlisch gelegene Hölle aufsuchen. An guten Sommertagen kehren Hunderte Tagesgäste auf der großen Terrasse und im „Zugspitzstüberl“ und „Waxensteinstüberl“ ein. Die Höllentalklamm ist zweifelsohne das Highlight des Hüttenzustiegs und deutlich spektakulärer als ihr berühmter Nachbar, die Partnachklamm. Auf den Stegen, Tunneln und Brücken zwischen den wilden Sturzbächen ist eine Regenjacke empfehlenswert – ebenso wie eine Einkehr im kleinen Museum am Klammeingang.
→Der Hüttenzustieg durch die Höllentalklamm ist ein Erlebnis für sich, bei dem auch Tagesgäste voll auf ihre Kosten kommen.Foto:mauritius images / Hans-Peter Merten
Wer die Klamm, mit Pausen zum Staunen und Fotografieren, durchwandert, weiter zur Hütte steigt und dort einkehrt, erlebt bereits eine schöne Tagestour. Sie eignet sich auch für Familien mit trittsicheren Kindern ab etwa acht Jahren, die im Umkreis der Hütte zwischen kleinen Felsen, vielen Bäumen und dem Hammersbach einen perfekten Abenteuerspielplatz finden. Mit größeren Kindern lohnt sich die Wanderung von der Bergstation der Kreuzeckbahn hinüber über das Hupfleitenjoch und hinab ins Höllental. Auch vom Osterfelderkopf (Bergstation Alpspitzbahn) über die Rinderscharte oder vom Eibsee über die Riffelscharte (längere Klettersteigabschnitte!) ist die Höllentalangerhütte erreichbar. Und wer nicht die Zugspitze zum Ziel hat, kann der formschönen Alpspitze durch das Mathaisenkar auf den Leib rücken.Die große Masse aber wird bald nach der Hütte die berühmten Klettersteigpassagen „Leiter“ und „Brett“ passieren und anschließend Deutschlands größten Gletscher erreichen. Doch auch die Masse des Höllentalferners, der anders als der sonnige Schneeferner auf der Zugspitz-Südseite von Felswänden beschattet und mit Lawinennachschub versorgt wird, hat sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Bis in den Juli ist er meist noch von Altschnee und Firn bedeckt. Apert er dann aber aus, sind Steigeisen unbedingt erforderlich. Zu jeder Zeit reichlich vorhanden sein sollten alpine Erfahrung, eine sehr gute Kondition (der abschließende 500-hm-Klettersteig ist der anstrengendste Teil der Tour!), Essen und Trinken sowie ein Klettersteigset.
→Kritischer Punkt im Aufstieg zur Zugspitze: der Übergang vom Gletscher in den KlettersteigFoto: imageBROKER / Mara & Moritz Wolf
Hüttenwirt Gernot Auer ist täglich mit lokalen Bergführern in Kontakt und gibt alle aktuellen Informationen über den Zugspitzaufstieg an seine Besucher weiter. Auch auf der Hüttenwebsite gibt es zur Hochsaison laufend Infos über den Zustand der Randkluft zwischen Gletscher und Klettersteig – dem neuralgischen Punkt des Aufstiegs. Ruhe kehrt im Höllental erst dann ein, wenn die „Hölle“ im Oktober ihre Pforten schließt. Denn im Winter ist das Höllental tabu: Die Brücken am Klammweg werden dann abgebaut, es gibt keinen Winterraum und die Lawinengefahr im gesamten Tal ist groß.
Höhe: 1387 m
Öffnungszeiten: Mitte Mai bis Anfang Oktober
Übernachtungsplätze: 62 Betten, 46 Lager. Die Reservierung erfolgt ausschließlich online.
Preise: AV-Mitglieder: 25 EUR Zimmer, 15 EUR Lager; Nichtmitglieder: 39 EUR Zimmer, 29 EUR LagerInfos und Buchung
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