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Tour der Woche

Ammerschlucht – Scheibum und Schleierfälle (Wanderung)

Auf der langen Wanderung durch die Ammerschlucht und über die Ammerleite gibt es (minestens) zwei besondere Attraktionen: den Felsdurchbruch Scheibum und das Naturdenkmal Schleierfälle.

Tour vom 20.04.2017
Text & Fotos: Siegfried Garnweidner

alle Touren der Woche: Übersicht


Der Felsdurchbruch Scheibum in der Ammerschlucht

Tourenziel
Scheibum und Schleierfälle, 915 m (Ansicht im Bayernatlas)

Gebiet
Voralpenland (Pfaffenwinkel)

nahe gelegene Orte
Saulgrub, 885 m; Bad Bayersoien, 811 m

Karte
Umgebungskarte UK50-49 "Pfaffenwinkel – Ammergauer Alpen" 1:50.000

GPS-Track
scheibum_und_schleierfaelle.gpx

Anfahrt

Ausgangspunkt der Tour
Kammerl (793 m) an der Ammer, westlich von Saulgrub

Mit Auto ab München
ca. 1,5 Std. (Anfahrtsroute)

Mit Bahn & Bus weniger empfehlenswert
Bahn bis Saulgrub, von dort zu Fuß in ca. 45 Min. zum Ausgangspunkt (3,2 km)

Bilder

Der Felsdurchbruch Scheibum in der Ammerschlucht

Kurzinfos

Schwierigkeit
Wanderung mittelschwer

Kondition
mittel

Dauer
ca. 4 Std. (Gesamtgehzeit ohne Pausen)

Höhendifferenz
↑↓ ca. 500 Hm

Einkehr
Wirtshaus Acheleschwaig, geöffnet Fr–Mo und an Feiertagen, Tel. +49 8845 757383

Bitte beachten Sie:

Die Angaben bei der "Tour der Woche" sind redaktionell geprüft, für ihre Richtigkeit und Aktualität kann jedoch keine Gewähr übernommen werden.

Bitte informieren Sie sich selbstständig über das Wetter und ggf. die Schnee- und Lawinenlage. Weitere Hilfsmittel zur Tourenplanung finden Sie bei den "alpinen Links".


Video der Schleierfälle

 

Video der Schleierfälle

 

Route: Vom Parkplatz bei der Ammerbrücke in Kammerl folgt man zuerst einmal dem Wegweiser zum Ammerdurchbruch Scheibum. Ein schmaler Pfad führt nach Norden in den Wald hinein, und schon nach einer knappen Viertelstunde erreicht man den Aussichtsplatz beim Felsendruchbruch in der Ammerschlucht. Auf demselben Pfad geht es wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Dann beginnt die lange Wanderung zu den Schleierfällen. Zuerst über die Ammerbrücke, am Kraftwerk Kammerl vorbei, nach Norden in den Wald hinein und zur Ammerleite hinauf. Der deutlich beschilderte Wanderweg führt uns mehrmals auf und ab, zweigt an beschilderter Stelle rechts ab und erreicht einen Fahrweg. Auf ihm nach links zum Talabstieg. Auf ihm bis kurz vor die Ammerschlucht hinab, bei der Verzweigung neben der Ammer rechts herum und zum eindrucksvollen Naturdenkmal. Wegen der sensiblen Vegetation und der Felssturzgefahr ist es verboten, die Schleierfälle zu betreten.

Von den Schleierfällen auf demselben Weg bis zur Verzweigung zurück. Dort rechts halten und wieder zur Ammer hinunter, doch schon bald verlässt man die Schlucht nach links, um nahe des Wildgrabens auf Treppenstufen aufzusteigen. Der enge Waldweg führt an einigen Rastplätzen vorbei und zu einem Fahrweg. Auf ihn rechts einschwenken, zur Soyermühle hinunter und unmittelbar hinter der alten Mühle auf einem Fußgängersteg über die Ammer. Gleich dahinter links und bei der folgenden Verzweigung rechts. Auf einem Pfad über einen Steilhang zur Hangkante hinauf. Bei ihr am Rand freier Wiesen rechts weiter, um dem beschilderten Ammerrundweg 1 zu folgen. Er führt am Ammer-Aussichtspunkt vorbei, durch Wald und über Wiesen, an einem frei stehenden Kreuz vorbei und biegt in einem Wiesenhang rechts ab. Anschließend wieder in den Wald hinein, bei der Abzweigung zum Böhmerweiher geradeaus und auf eine aussichtsreiche Wiesenkuppe. Dahinter folgen wir einem Feldweg zur Achelestraße hinab, biegen rechts ab und und kommen zuletzt noch zum Wirtshaus Acheleschwaig und dahinter zum Ausgangspunkt zurück.

 

Die Schleierfälle im Ammertal – ein geologisches Kleinod
von Ulrich Lagally

Dort, wo bei Bayersoien in der Ammerschlucht die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau aneinandergrenzen, liegen die Schleierfälle, ein Naturdenkmal von besonderer Schönheit und erdgeschichtlicher Aussagekraft. Sie sind eines der wenigen Beispiele, an denen aktuelle Vorgänge der Entstehung von Kalktufffelsen und die noch andauernde Bildung von Höhlen beobachtet werden können. Wegen seiner Ursprünglichkeit, seiner hervorragenden Bedeutung und seiner Eigenart hat man den gesamten Talverlauf von der Scheibum bis zu den Schleierfällen schon 1953 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um jedoch dieses besondere Geotop vor weiteren Beschädigungen durch Besucher, vor allem durch den Freizeittourismus zu bewahren, wurden weitergehende Maßnahmen zu seinem Schutz erforderlich. Daher ist seit 1994 der gesamte Bereich der Schleierfälle als Naturdenkmal ausgewiesen und ein Betretungsverbot außerhalb der vorhandenen Wanderwege erlassen worden.

Die Quellen, welche die Wasserfälle speisen, treten auf halber Höhe der Talflanke aus. Von dort fließt das Wasser über bereits früher abgesetzte, mit Pfeifengras und Fichtenwald bestandene Kalktuffablagerungen und fällt schließlich, z. T. in breiten Schleiern, von den schroffen Kalktufffelsen in mehreren Stufen bis zum Flussbett hinunter.

Ihre Entstehung verdanken die Schleierfälle einer besonderen geologischen Situation: Seit dem Ende der letzten Vereisung, des Würmglazials, treten hier an der Grenze von wenig durchlässigen Gesteinsschichten der Tertiärzeit und darüber liegenden kalkigen eiszeitlichen Schottern karbonatreiche Grundwässer aus. Diese von den Gletschern hinterlassenen Ablagerungen bestehen überwiegend aus Gesteinen der nördlichen Kalkalpen. Regenwasser, das in diesen durchlässigen Untergrund versickert, reichert sich mit aus den Steinen gelöstem Kalk an. Durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Prozesse wie z. B. Druckentlastung und Erwärmung des Wassers, aber auch durch den Stoffwechsel dort wachsender Moose, wird gelöste Kohlensäure abgegeben und bevorzugt an exponierten Stellen als Kalziumkarbonat ausgeschieden.

In unterschiedlichen Höhenlagen entstanden an den steilen Flanken des Ammertales aus Kalktuffen Geländestufen und Überhänge. Dabei sind stellenweise die hinter den Tropfsteinvorhängen liegenden Hohlräume mit Kalkablagerungen "zugewachsen" und unterschiedlich große Höhlen gebildet worden. Besonders deutlich ist dieser Vorgang an den Schleierfällen selbst zu beobachten. Verschiedene Gänge, die den Tufffelsen regellos durchziehen, zeugen davon, dass dort die Höhlenbildung bereits abgeschlossen ist. In höhergelegenen Geländeteilen sieht man Vorhänge aus Gestein, an denen ständig Wasser herabfließt. Dort, an der Schleierwasserfallhöhle, kann man die gerade ablaufende Höhlenentstehung besonders gut beobachten.

Etwas flussabwärts liegt eine trockene Kleinhöhle, die Schleierfallhöhle. Bei ihr handelt es sich ebenfalls um eine Primärhöhle, d. h. sie ist gleichzeitig mit ihrem Muttergestein entstanden. Im Gegensatz zur Halbhöhle am Wasserfall bildet sie jedoch einen fast gänzlich geschlossenen Hohlraum, der sich in zwei Gänge gliedert und eine Gesamtlänge von ca. 30 Meter aufweist.