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Durch die zunehmenden Herausforderungen des Klimawandels und der Ressourcenknappheit gewinnt das nachhaltige Bauen immer mehr an Bedeutung. Der DAV und alle Alpenvereinssektionen haben das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein. Dabei wird auf eine Strategie gesetzt, die den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken betrachtet. Eine baubegleitende Emissionsbilanzierung ist ab einer Bausumme von 75.000 Euro verpflichtend, sofern Fördermittel genutzt werden.
Im Zuge der Generalsanierung des DAV-Haus Spitzingsee von 2024 bis 2026 haben wir eine detaillierte Ökobilanz für die gesamte Baumaßnahme erstellt.
Für die Bilanzierung wird die gesamte Masse aller Materialien einbezogen, die laut Planung abgerissen oder neu eingebaut werden – wie beispielsweise 12 Tonnen Bauschutt oder 44 Kubikmeter Holzfaserdämmung. Die methodische Grundlage für diese Ermittlung stellt die DIN EN 15643 in Verbindung mit der DIN EN 15978-1 dar.
Dabei betrachten wir die verschiedenen Materialien über einen festgelegten Zeitraum von 50 Jahren hinweg in den folgenden Lebenszyklusphasen:
A: HerstellungsphaseA: Errichtungsphase – TransportB: Nutzungsphase – Energieverbrauch im BetriebC: Entsorgungsphase – Abfallbehandlung, BeseitigungD: Wiederverwendung, Recycling
Die Erfassung der Emissionen erfolgt in mehreren logischen Schritten:
Die exakte Berechnung der Daten liefert ein beeindruckendes Ergebnis für unser Sanierungsprojekt:
Warum ist dieser Wert negativ? Das Minuszeichen resultiert aus der sogenannten biogenen Kohlenstoffspeicherung. In den verwendeten Baustoffen – insbesondere in Holz und holzbasierten Produkten – wurde während des natürlichen Pflanzenwachstums atmosphärisches CO2 dauerhaft gebunden. Solange diese Materialien im sanierten Gebäude verbaut bleiben, fungiert das Bauwerk als temporärer Kohlenstoffspeicher.
In der Gesamtsumme aller untersuchten Lebenszyklusabschnitte ergibt sich für die gesamte Baumaßnahme eine hervorragende Gesamtbilanz von −224.626 kg CO2-Eq.
Damit weist das Projekt eine echte negative CO2-Bilanz auf: Die unvermeidbaren Emissionen, die durch den Transport und den Rückbau verursacht wurden, werden durch die im verbauten Holz und den Naturmaterialien gespeicherte Kohlenstoffmenge mehr als kompensiert.
Die Ökobilanz, auch Life Cycle Assessment (LCA) genannt, umfasst alle Phasen eines Gebäudes – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung der Baumaterialien, den Bauprozess, die Nutzungsphase bis hin zur Entsorgung oder dem Recycling. Mithilfe der Ökobilanz werden die Umweltwirkungen (z. B. CO2-Emissionen) für jede Phase quantifiziert und optimiert. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug für nachhaltiges Bauen und hilft, umweltfreundliche Materialien gezielt auszuwählen, den Energieverbrauch zu senken und Bauprojekte mit minimalen Umweltfolgen zu realisieren.