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Quo vadis DAV?

Bergsport by fair means

Wir sind Bergsteiger, interessieren uns aber nicht nur für die nächste Tour. Luxus-Hütten und Umweltschutz treiben uns genauso um wie Bergsport-Ethik und unser Vereinsleben. Den immer größer werdenden Besucherandrang in den Alpen und seine Folgen sehen wir kritisch. Wir wollen nicht, dass die Konsumhaltung aus dem Tal auf den Berg getragen und dort befriedigt wird. Denn die Folgen sind gravierend: Die Infrastruktur wird immer weiter ausgebaut, die Umwelt leidet, die Gefahren der Bergwelt werden zunehmend unterschätzt. Als Konsequenz daraus setzen wir uns für mehr Eigenverantwortung und Bergsport "by fair means" ein. Und weil wir damit offensichtlich nicht die einzigen sind, haben wir die Gruppe "Quo vadis DAV" gegründet. Sie steht allen Mitgliedern der Sektionen München und Oberland offen, die die Entwicklung der Sektion und des DAV mitgestalten wollen.

Komm vorbei, bring Dich ein!

Schon gelesen?

Positionspapier der Sektionen von 2010
Grundsatzprogramm des DAV
Leitbild des DAV

Quo vadis DAV?

"Ist der Sonnenuntergang geduscht wirklich schöner?" Diese Frage haben wir in »alpinwelt« 2/2017 gestellt – und damit offenbar ein Thema angesprochen, das viele Sektionsmitglieder umtreibt. Überraschend viele machten sich die Mühe, uns ihre Meinung dazu zu schreiben – und nahezu alle bestärkten uns in unserem skeptischen Blick auf die zunehmende Konsum- und Erwartungshaltung in den Bergen und ermunterten uns, die Diskussion voranzutreiben.
"Wir" sind hervorgegangen aus einer 10-köpfigen Arbeitsgruppe, die sich im April 2016 aus der Gruppe "Vorsicht Friends!" der Sektion München gebildet hat. Wir sind Bergsteiger/-innen, die seit vielen Jahren gerne und oft in den Bergen unterwegs sind. Viele von uns sind seit Langem als ehrenamtliche Tourenleiter/-innen in der Sektion München aktiv. Wir machen uns Gedanken über die Zukunft des Alpenvereins und über den allgemeinen Trend einer konsum- und profitorientierten Ausrichtung des Bergsports. Für uns steht das Erleben der Natur, das jeder von uns als bereichernd empfindet, im Mittelpunkt.
Den steigenden Ansturm auf die Berge und den ständig zunehmenden Komfort auf Alpenvereinshütten mit Zimmern, Duschen und einem vielfältigen Gastronomieangebot sehen wir kritisch. Überfüllte Hütten, die Reservierungen weit im Voraus nötig machen, eine ökologisch grenzwertige Belastung der Natur (Müll, Wasser-/Energieverbrauch) sowie ein Ausbau der Infrastruktur (Gepäcktransport, bequeme Wege etc.) sind einige der Folgen, die wir unter dem Motto "quo vadis" hinterfragen.

Veränderung der Bergwelt

Die Bergwelt wird der gewohnten Umgebung im Tal immer ähnlicher. Dadurch bleibt unserer Meinung nach das eigentliche, ursprüngliche Bergerlebnis zunehmend auf der Strecke, das die meisten Bergsportler ja gerade als Kontrast zum Alltag in den Alpen suchen. Je komfortabler und leichter erreichbar die ursprünglich als Schutz für Bergsteiger gedachten Hütten sind, desto mehr Menschen zieht es dorthin. Ziele sind häufig nicht mehr die Gipfel oder alpinistisch anspruchsvolle Touren, sondern die Hütten selbst. Das hat Folgen: Es ist inzwischen sehr schwierig geworden, mit überschaubarem zeitlichen Vorlauf Schlafplätze auf Hütten zu reservieren. Das erschwert die Organisation von an die Verhältnisse angepassten, spontanen Bergtouren. Das gilt auch für Touren von DAV-Gruppen. Die stetigen Absagen schwächen das Vereinsleben und demotivieren viele ehrenamtliche Organisatoren. Die Anspruchshaltung vieler Hüttengäste steigt mit dem Angebot. Zimmer statt Lager, à la carte statt Bergsteigeressen. Komfortablere Hütten bedeuten jedoch höhere Kosten, und dieses Geld muss wieder reinkommen. Höhere Vereins- und Übernachtungsgebühren sowie teurere Speisen und Getränke sind die Folge. Doch längst nicht jeder kann sich die inzwischen nahezu obligatorische Halbpension leisten. Selbstversorger fühlen sich schon lange nicht mehr willkommen. Letztlich rechnen sich komfortablere Hütten nur bei hoher Auslastung, weshalb weitere Anreize geschaffen werden, um die Übernachtungszahlen anzukurbeln (übertriebenes Gastronomieangebot, Kletterwand, Sauna, Skidoo-Service etc.). Der Umsatz wird durch Stornogebühren gesichert, was einer Tourenplanung abhängig von Wetter und Verhältnissen widerspricht.


Veränderung Bergerlebnis

Durch perfekt ausgebaute Wege und Steige, Rucksacktransport & Co. gehen alpine Erlebnisse verloren.

Viele Bergsteiger meiden den Trubel. Um weiterhin ursprüngliche Natur zu erleben, weichen sie auf bislang wenig besuchte Gebiete aus – die Rückzugsorte für Mensch wie Tier werden kleiner.
Der erleichterte Zugang auch zu hochalpinen Regionen (Hüttentaxi, E-Bike, Gepäcktransport etc.) führt dazu, dass Bergsportler immer öfter Gefahren unterschätzen. Das Sammeln von Erfahrungen erst im leichten, dann im schwieriger werdenden Gelände wird gern durch leicht konsumierbare Angebote ersetzt. Derart geprägt geht es rasch an prestigeträchtige, fotogene Touren – und die Einsatzzahlen der Bergwacht, etwa wegen Blockierungen, schnellen nach oben.

Muss das alles wirklich sein? Suchen wir in den Bergen nicht in erster Linie das Naturerlebnis? Führt nicht gerade die Reduzierung auf das Elementare zu tiefer Zufriedenheit und ist eine willkommene Abwechslung zum Alltag? Gibt uns nicht das aus eigener Kraft Erreichte Selbstbewusstsein und Gelassenheit?



Einflüsse auf die Umwelt

Auch die UMWELT leidet unter der Entwicklung:

Je umfangreicher die Speisekarte auf der Hütte, desto öfter muss der Heli fliegen. Mit den steigenden Besucherzahlen fällt auch mehr Abfall an, der Energieverbrauch wird größer.
Je mehr Gäste duschen, desto mehr Wasser muss erhitzt und hinterher aufwendig geklärt werden.


Ein Einblick in unsere Arbeit

  • Artikel in »alpinwelt« 2/2017: Ist der Sonnenuntergang geduscht wirklich schöner? (link zum pdf)
  • Artikel in »alpinwelt« 1/2018: Zu viel Komfort in den Bergen? (link zum pdf)
  • Antrag in der Mitgliederversammlung 2018 der Sektion München: Keine E-Bike-Ladestationen auf den Münchner Hütten
  • Artikel in der SZ 2018: Alpinismus de luxe – wie viel Komfort braucht es auf Berghütten?
  • Mitgestaltung des Expertenforums „Brauchen Berge Komfort?“ am 9./10. November 2018 auf der Albert-Link-Hütte

 

Mail an die Gruppenleitung

Ihr wollt einfach so euren Senf loswerden? Feedback zu unserer Arbeit geben? Habt Sachen erlebt oder Artikel gelesen, die ihr in direkten Zusammenhang mit unserer Arbeit bringen könnt? Habt eine Frage, die sich sonst nicht einordnen lässt? Dann schreibt uns einfach eine Mail!

Sonja Schütz, Philipp Monden, Heico Müller

Treffen

Wir treffen uns ca. alle zwei Monate, um an unseren Themen zu arbeiten, Positionen zu diskutieren und Projekte zu gestalten. Darüber hinaus unternehmen wir auch Besuche auf Hütten, um uns z. B. mit den Hüttenwirten zu bestimmten Themen auszutauschen.

Wo und wann wir uns treffen, seht Ihr hier. Wenn Ihr Interesse habt, bei einem Thema dabei zu sein, dann kommt doch einfach dazu!

Am Ball bleiben

Ihr habt keine Lust oder keine Zeit, Euch aktiv einzubringen, aber möchtet es erfahren, wenn wir neue Ergebnisse und Ideen haben? Dann lasst Euch in den Info-Verteiler eintragen.