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26.09.-03.10.2026 Ultental, Südtirol, Ortler Alpen

26.09. Bei strahlendem Sonnenschein rollt der Flixbus gen Süden, hinein ins Herz von Alto Adige. Der Regionalbus windet sich in sanften, endlosen Kurven den Berg hinauf, bis wir St. Nikolaus auf einer Höhe von 1.256 m erreichen. In der Pension Florian werden wir mit einem warmen Lächeln von Marylu empfangen. Um die Stunden bis zum Abendessen mit Leben zu füllen, folgen wir einem Stück des Ultner Höfeweges: vorbei an alten Holzhütten, Lärchen und Wiesen, die im Abendlicht golden schimmern.
27.09. Zuerst bringt uns der Bus bis zur Talstation. Von dort gleiten wir mit der Seilbahn Kuppelwies lautlos hinauf zur Schwemmalm – immer höher auf 2.100 m, bis die Dächer im Tal winzig werden. Oben, in klarer Luft angekommen, gehen wir den Ultner Höhenweg. Irgendwo zwischen den Felsen ertönt das helle Pfeifen der Murmeltiere - ein kurzer Gruß aus ihrem Versteck - denn zu Gesicht bekommen wir sie nicht.  Die urige Schusterhütte steht wie ein kleines Juwel am Hang - mit alten Holzbalken und einer gemütlichen Atmosphäre. Der Wirt ist ein echtes Unikum mit verschmitztem Lächeln und kernigem Humor. Am Eingang zum Nationalpark Stilfserjoch begrüßt uns ein stiller Wächter aus Stein, ein sorgfältig geschichtetes Steinmandl. Von dort öffnet sich der Blick ins Flatschbergtal – ein weiter Teppich aus herbstlichen Wiesen und verstreuten Höfen, eingerahmt von sanften Gipfeln. Vom plätschernden Bach aus erhebt sich die Tuferspitze scharf gezeichnet gegen den blauen Himmel. Gemächlich geht es über die vordere Flatschbergalm nach St. Gertraud und von dort mit dem Bus bis St. Nikolaus.
28.09. Mit dem Bus geht es nach St. Gertraud, wo wir in einen kleinen Bus umsteigen. Dieser windet sich über eine schmale, steile Straße hinauf durch den Wald. Schließlich öffnet sich die Landschaft und vor uns liegt der Weissbrunnsee, still und klar. Am wildromantischen Grünseebach entlang wandern wir, begleitet vom Rauschen des Wassers. Der Weg ist Teil des ICE WALK: Die sechs Speicherseen in dieser Region liefern stolze 8 % der gesamten Energie Südtirols. Der Pfad führt uns stetig bergauf, bis die Höchsterhütte vor uns auftaucht - ein einladendes Ziel inmitten der Bergwelt. Dort kehren wir ein, genießen auf der Terrasse den Sonnenschein und lassen den Blick über die Gipfel und den Grünsee (einer der Stauseen) schweifen. Am Blockgletscher zeigt die Natur ihre raue, ungezähmte Seite. Durch das ständige Wechselspiel von Frost und Tau kommt es hier zu Felsstürzen, Rutschungen und plötzlichen Wasseraustritten - ein stilles, aber mächtiges Schauspiel geologischer Kräfte. Unser Weg führt über ein Meer aus kantigen Felsbrocken und blanken Granitplatten. Vom oberen Weissbrunnsee aus folgen uns einige Pferde. Am tiefer gelegenen Fischersee stellt Ruth ihren Rucksack ins Gras und geht zum Fotografieren ans Ufer. Die neugierigen Pferde entdecken das neue „Spielzeug“ und näheren sich. Da trete ich zwischen sie und den Rucksack und verteidige ihn vor den sanften Vierbeinern. Zurück geht es mit dem übervollen Kleinbus wieder zuerst nach St. Gertraud und dann zur Pension Florian.
29.09. Florian fährt uns hinauf nach Simian. Von dort starten wir unsere Wanderung - zunächst durch einen nebligen Wald. Neben uns tost ein reißender Bach bergab, sein Wasser schäumt. Oberhalb der Marschnellalm begegnet uns eine Herde Ziegen. Sie stehen neugierig auf den Felsen, ihre Glocken erklingen in der alpinen Szenerie. Die letzten Höhenmeter zur Peilspitze steigen wir in kalter Luft hoch. Plötzlich lichtet sich der Nebel, die Sonne legt sich warm auf unsere Körper und die Aussicht ist phänomenal.
30.09. Mit der Bahn geht es hinauf zur Schwemmalm. Der Nebel zieht mit uns den Berg hinauf, verhüllt Wälder und Gipfel. Über große und kleine Granitblöcke führt der steinige Pfad langsam bergauf. Jeder Schritt bringt uns dem Mutegg-Gipfel näher. Diesmal empfängt uns der Gipfel neblig und kühl. Beim Abstieg führt der Weg am Arzkarsee vorbei zur Kuppelwieser Alm, wo eine gemütliche Einkehr mit warmen Getränken und leckeren Spezialitäten auf uns wartet. Noch einmal geht es einige Höhenmeter bergauf, durch herbstlich gefärbte, niedrige Sträucher bis zur Schwemmalm. Von dort bringt uns die Bahn sicher und bequem hinunter zum Bus.
01.10. Florian fährt uns ein Stück in Richtung St. Walburg, weil sonst die Umstiegszeit zu lange wäre. Es geht weiter mit einem öffentlichen Bus bis Hofmahd. Heute hüllte der Nebel den Grat in ein geheimnisvolles Grau. Der Pfad ist tückisch, das lose Geröll knirscht unter den Schritten und erschwert den Aufstieg. An der Revo Alm bietet sich eine kurze Rast. Als der Schleier sich sanft hebt, erscheint der Gipfel des Kleinen Kornigl, still und stolz, als hätte er nur auf diesen Moment gewartet.
02.10. Mit dem Bus geht es nach St. Gertraud. Der Weg schlängelt sich anfangs steil nach oben. Am alten, ausgetrockneten Waalweg geht es dann gemächlich dahin auf einem Waldweg. Der Bach rauschte wild und die Suche nach einer sicheren Stelle zur Überquerung ist mühsam – das Wasser stürzt in silbernen Strömen talwärts. Schließlich, in einer kleinen Oase gibt es Brotzeit in idyllischer Umgebung. Der Weg schlängelt sich mal durch schattige Wälder, mal entlang leuchtend gefärbter Hänge, vorbei an den stillen, unbewirtschafteten Pilsberg Almen. Sanft führte er hinab zum Weissbrunnsee, dessen Oberfläche wie ein Spiegel die Farben des Tages einfängt. Mit dem kleinen Bus geht es herunter nach St. Gertraud, diesmal haben alle einen Sitzplatz.
03.10. Heute haben wir noch Zeit für einen ausgedehnten Stadtbummel in Meran bevor es mit dem Flixbus wieder nach München geht.

Tourenbegleitung, Foto: Peter Proebster
Text, Foto: Ingeborg Gschnaller
Foto: Eberhard Werner
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