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Mit Rudi zum Wandern ins Monte Baldo Massiv - auf geht's. Wir überqueren den Brenner Richtung Süden. Im Etschtal auf Höhe von Avio verlassen wir die Autostrada. Und begeben uns auf eine kleine Bergstraße mit vielen Kurven, Kehren und unendlich vielen Höhenmetern. Nach langem Anfahrtsweg erreichen wir ganz am Ende einer Forststraße unser Rifugio „Monte Baldo“. Mitten in Wald und Flur, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen.Zum Ausklang des Tages bietet sich noch ein Spaziergang zur nahe gelegenen, aus dem 17. Jahrhundert stammende Kapelle „Madonna della Neve“ an, die einst als Zufluchtsort für Hirten und Holzfäller diente.
Unsere erste Wanderung führt uns bei morgendlichem Sonnenschein vom Rifugio Graziani, direkt am Bocca del Creer gelegen, zum Monte Altissimo di Nago. Am Berghang entlang zieht sich der Weg zum Monte Campo, einem Vorberg des Altissimo, der uns eine wunderbare Aussicht auf die umliegende Bergwelt offenbart. Jede Menge Gämsen sind auf den Bergwiesen und Berghängen zu entdecken.Wir schreiten weiter zum Altissimo, vorbei an verfallenen Schützengräben und militärischen Stellungen aus dem 1. Weltkrieg sowie einer kleinen Kapelle. Relikte aus einer Zeit, in der hinten gebetet und vorne geschossen wurde. Wolken und Nebel kommen zur Mittagszeit auf und verhüllen den Weg zum Gipfel. Infolge der Nebelschwaden entdecken wir erst aus kurzer Nähe die Bergspitze des 2078 m hohen Monte Altissimo und das unmittelbar darunter liegende Rifguio Altissimo. Zu unserer Überraschung ist das Rifugio geöffnet. So bietet sich eine kurze Rast in der Hütte an. Danachsetzen wir unseren Rundweg Richtung Süden fort. Die Sonne kommt wieder zum Vorschein. Wir haben abermals gute Sicht und blauen Himmel. Der Weg schlängelt sich immer an den Klippen entlang und bietet uns einmalige und atemberaubende Blicke auf den Gardasee. Wir steigen den Berghang weiter hinunter und erreichen unseren Ausgangspunkt.
Am nächsten Tag wählen wir den Wanderweg 652 zum Aufstieg auf den Monte Telegrafo. Vor uns eröffnet sich ein wunderschöner Steig inmitten einer einmaligen Vegetation. Zuerst in einem Wald mit vielen Buchen, Lärchen, Fichten, Kiefern und Mehlbeeren. Danach an einem weitläufigen Berghang, überall mit Latschenkiefern bedeckt und dazwischen einzelne, groß gewachsenen Bäumen. Der Weg führt uns südlich am Bergrücken entlang und zieht sich leicht anspruchsvoll empor. Ein überwältigender Panoramablick auf das vor uns liegende Tal sowie die umliegenden Bergketten tut sich auf. Wir erreichen über einige Serpentinen den Bergsattel und erblicken den Monte Telegrafo als auch das Rifugio Telegrafo. Die letzten wenigen Höhenmeter zum 2200 m hohen Cima Telegrafo nehmen wir geschwind und erhaschen noch die letzten Blicke auf den Gardasee und die umliegenden Berge. Denn die mittägliche Wolkenfrontzieht plötzlich auf und verhüllt alles in Nebel.Zu unserer Freude hat das Rifugio geöffnet. Wir gönnen uns eine Rast und stärken uns in der Hütte. Der geplante Rundweg und Rückweg über den Cima Valdritta, den mit 2218 Metern höchsten Gipfel des Monte-Baldo-Bergrückens, ist uns infolge der dicken Nebelschaden und einer Sicht unter 50 m leider nicht vergönnt. So wählen wir einfach den Aufstiegsweg zum Abstieg und genießen nochmals die Schönheit der einzigartigen Flora.
Zum guten Schluss unserer Wandertage ist ein Rundweg direkt von unserem Rifugio aus vorgesehen. Wir wählen den Steig „Via dell’Or“ durch lichte Wälder mit hochgewachsenen Bäumen. Der Steig setzt sich auf einem alten, steinigen Ochsenkarrenweg fort, der uns zum Bergsattel „Cavallo di Novezza“ führt. Wir genießen die Rundumsicht auf dieser Berghöhe und erblicken den Wanderweg zum Monte Telegrafo, den wir tags zuvor erklommen hatten. Am Sattel selbst hat sich ein winziger Skihang mit viel Gastronomie entwickelt. So nutzen wir das Rifugio Novezza für einen kurzen Halt und eine kleine Rast.Wir setzen unsern Rundweg fort. Erst kurz in südlicher Richtung, umrunden anschließend einen Bergrücken und wandern wieder Richtung Norden zu unserem Ausgangspunkt.Nach langer Wegstrecke erreichen wir den Passo del Cerbiolo, einen malerischen Gebirgsübergang, der auch die Grenze zwischen Trentino und Venetien bildet. Der Passo bietet weite Ausblicke nach Süden, auf den Monte Cerbiolo sowie nach Norden, wo wir auf der unter uns liegenden Hochebene unser Rifugio entdecken.Ein kurzer Zwischenstopp und danach steigen wir den Sattel hinab Richtung Rifugio. Wir tauchen ein in einen kleinen, dunklen und finsteren Wald mit uralten, imposant gewachsenen Buchen, deren Stammumfang mehrere Meter beträgt.Und auf dem Weg zurück begegnen uns wiederholt einzeln stehende Baumriesen, deren majestätischen Kronen sich in der späten Nachmittagssonne schon herbstlich färbten. Wir folgen dem Steig, schreiten auf kleinen Forstwegen voran und erreichen nach einem kurzen Anstieg wieder unser bekanntes Rifugio.
Auf dem Weg nach Hause auf den kleinen, engen Bergstraßen noch ein letzter Blick zurück auf die unzähligen Höhenzüge im Monte Baldo Bergmassiv, auf die großartige Landschaft, die faszinierende Pflanzenwelt und die herrlichen Wanderwege mit Rudi. Die Freude auf ein Wiedersehen ist groß …..
Tourenbegleitung: Rudolf StrasserText: Wolfgang HennFoto: Birgit Beckh, Eva Berger←Übersicht Tourenberichte